Archiv der Kategorie 'KUNST: MALEREI & SKULPTUR'

Ansprache zur Ausstellungseröffnung „gestern heute“

am 10. November 2018

Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „gestern heute“. Lassen sie mich zuerst einige Betrachtungen über die Lage in Deutschland 2018 anstellen, bevor ich auf die heutige Ausstellung eingehe. Ich möchte diese damit in den nötigen Zusammenhang stellen.

Ersten: Wir leben in Zeiten, in denen sich die ideologischen Versatzstücke des längst vergangen Geglaubten wieder brutal in den öffentlichen Diskurs drängen. Rassismus, Antisemitismus, offener Hass auf Andersdenkende, auf kritische Journalistinnen, bekennende Demokraten, auf Linke, auf anders Lebende wie Obdachlose oder Punks sind längst wieder salonfähig geworden. Die erreichten Rechte von Frauen, Schwulen und Lesben, Trans- und Intersexuellen sollen – so der Wunsch, der sich nicht nur im Internet hasserfüllt breitmacht – zurückgedrängt werden. Das Phänomen „arm trotz Arbeit“ nimmt zu, und aus Arbeitslosengeld wurde ein sanktionsbewährtes Druckmittel, um Menschen gefügig zu machen, wirklich jeden Job anzunehmen – alles, um im Standort Deutschland möglichst hohen Profit zu erzielen. Bürgerliche Freiheiten und Selbstverständlichkeiten werden zur Disposition gestellt, wenn sie das stören könnten, was als deutsche Lebensart herbeiphantasiert wird, wenn dies zu Abschottung und vermeintlicher Sicherheit dienlich erscheint.
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Sterne, Wölfe und andere Menschen

Die Sichtweise der Maria Lehnen

Im Folgenden will ich einen Blick werfen auf die Werke der Künstlerin Maria Lehnen, die in der Dauerausstellung des Museum.Burg.Miltenberg zu sehen sind und insbesondere in der 2015 stattgefundenen Sonderausstellung ebenda zu sehen waren. Es wird zu zeigen sein, dass Maria Lehnen bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Schaffensphasen eine durchgehende Idee verfolgt, die sich zeigt in einer zutiefst dem Menschen zugewandte Sicht auf die Welt.

Ich mache ausdrücklich – obwohl es eigentlich klar sein sollte – darauf aufmerksam, dass dies mein persönlicher Zugang zum Werk von Maria Lehnen ist. Vor allem in der Interpretation einzelner Objekte können sicherlich auch ganz andere Assoziationen auftauchen. Allerdings behaupte ich, dass die zentrale Aussage – die positive Zuwendung zum Menschen – nicht in Frage zu ziehen sein wird.

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Sterne, Wölfe und andere Menschen

„Sterne, Wölfe und andere Menschen“ – nicht zum ersten Mal zeigte 2015 die Malerin und Bildhauerin Maria Lehnen die Ausstellung mit dem im ersten Moment etwas verwirrenden Titel. Diesmal waren ihre Werke im Museum.Burg.Miltenberg zu betrachten, in hervorragender Erweiterung ihrer Arbeiten, die dort in der Dauerausstellung zu sehen sind.

„Sterne, Wölfe und andere Menschen“ – diesen Titel müssen wir wörtlich nehmen. Denn bei Maria Lehnen dreht es sich immer um den Menschen, der aber auch als Wolf – oder als dessen Antipode, das Schaf – und manchmal auch als Stern daherkommen kann. Versuchen wir, uns der Lehnenschen Bildwelt auf Grundlage dieser Feststellung zu nähern.

Die Wölfe

Auffällig ist, dass der Wolf in der Kunst von Maria Lehnen zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen hat. Da ist einmal die Stärke, Klugheit und Ausstrahlung, die die Künstlerin vor allem ihrer Wolfsfrau-Skulptur aus Erde, Polyester und eingesetzten Glasaugen gegeben hat. Wolf, Frau und Erde – das könnte Assoziationen zu esoterischem oder gar rechtem Mystizismus heraufbeschwören. Bei einer erfreulich bodenständigen, dabei humanistisch geprägten und höchst bewusst gestaltenden Künstlerin wie Maria Lehnen sollte dies allerdings nicht ernsthaft angenommen werden. Vielmehr sehe ich in diesen Wolfsfrauen (neben der genannten gibt es eine zweite, die als Modell für einen Bronzeguss gearbeitet wurde) schlicht und ergreifend eben jene nötige Stärke verkörpert, die einer Frau verhilft, sich auf den Weg zu machen, heraus aus den noch immer mächtigen Beengungen des lange nicht überwundenen Patriarchats.

Bewusst sind diese Mensch-Wölfinnen als Frauen kenntlich gemacht, um ihre Kraft weiblich zu setzen. Zwar gibt es auch eine männlich oder androgyn zu deutende Mensch-Wolf-Skulptur („Wolf III“, Modell für Bronze), aber die stärkste ist eindeutig jene mit den intensiven Augen aus Glas, die eindeutig als weiblich erkennbar ist.
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Kunst kann vorwegnehmen, was die Gesellschaft noch zu erbringen hätte

Ansprache zur Vernissage der Ausstellung mit Werken von Gunhild Schneider am 7. Juli 2017, Café fArbe, Miltenberg

Als ich die schon seit einigen Tagen hier im Café fArbe hängenden Bilder zum ersten Mal bewusst ansah, hatte ich gleichzeitig zwei Empfindungen. Die eine sagte mir, dass das keine Neuerfindung der Kunst ist, nichts, was ich nicht in ähnlicher Weise schon anderswo gesehen hätte, so mein Eindruck. Die zweite fast gleichzeitige Empfindung sagte mir: Das, was du hier siehst, ist gut! Versuchen wir also, diesen beiden Eingebungen, die nicht unbedingt sofort deckungsgleich zu bringen sind, nachzugehen. (mehr…)

Eine Brunnenskulptur als Beispiel für einfach schlechte Kunst

Man stelle sich mal vor: Die Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt werden von den umliegenden Ortschaften verhöhnt. Wie zum Beispiel die Miltenberger als „Staffelbrunser“. Weil, wie die historisch bestreitbare Behauptung es will, die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt weit überdurchschnittlich oft von den Stufen (= Staffeln) vor den Häusern – oder auch an diese, wie eine andere Lesart behauptet – uriniert haben sollen. Nun würde in jeder einigermaßen als intelligent gelten wollenden Stadt so etwas mit dem Blick der Verachtung gestraft werden. Man würde sich ganz einfach nicht zu diesem Dünnpfiff der Nachbarn äußern. Nicht so in Miltenberg am Main. Hier ist der gemeine Mann und die ebenso gemeine Frau sogar stolz auf diesen urinösen Namen, der ihnen einst zum Zwecke des höhnischen Spotts verliehen worden war. Nicht nur das: Sie nehmen echtes Geld in die Hand und lassen sich ein Staffelbrunser-Denkmal setzen: Drei Jungs, die in hohem Bogen urinieren. Das Ganze als Brunnen in Bronze gegossen.

Der ganze Beitrag findet sich bei kunst.blogsport.de.

Was ist Kunst?

Rede, gehalten anläßlich der Vernissage der Gruppe FarbMagie am 18. Juni 2016 im Caritas-Treffpunkt Café fArbe, Miltenberg

Pablo Picasso wird das folgende Zitat zugeschrieben: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Ob heute jedes Kind noch Künstler oder Künstlerin sein darf, wie dies zu Picassos Zeiten, also in spanischem Bürgerkrieg, Weltkrieg und Faschismus, wohl auch nicht wirklich war, das sei in Fra­ge gestellt. Denn angesichts von Kulturindustrie, Massenbespaßung mittels TV und Internet, weltweit nor­miertem Konsum- und Freizeitverhalten erscheint es fraglich, ob Kinder noch die Chance zur Entwicklung kindlicher Kreativität erhalten.
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HEIMAT : GRENZEN : LOS

Wer schon immer wissen wollte, wie das geht, das Aufbauen einer Ausstellung, der oder die kann jetzt mal zusehen.

Impressionen vom Aufbau eines Teils der bevorstehenden Ausstellung:

Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich

Anmerkungen zu Kunst und Psyche

Ansprache zur Ausstellung der Malerin CyBer – Titel: Spiegelungen – Vernissage am 16.10.15 im Café fArbe, Miltenberg, gekürzt um Einleitung, Danksagungen und aktuelle Hinweise

Die Kreativität hat die Künstlerin väterlicherseits vermittelt bekommen. So verwendete sie schon in frühen Jahren den Aquarellkasten des Vaters, um sich künstlerisch zu betätigen, wenngleich ihre Bilder damals eher im Briefmarkenformat waren. Dass die Kindheit nicht immer problemfrei verlaufen sein kann, zeigt nicht nur der Umstand, dass sie den väterlichen Aquarellkasten nur heimlich nutzen konnte. Die problematische Kindheit und was diese mit der Kunst von CyBer zu tun hat verrät uns mehr noch ein Gedicht der Künstlerin, das ich hier zitieren möchte. Es trägt den Titel „Gedanken“: (mehr…)

Zwischen Sachbeschädigung und Bereicherung der Welt, zwischen Kritik und Nonsens

Anmerkungen zur Streetart
Rede zur Vernissage im Jugendzentrum ThirTeen, Miltenberg am 27. März 2015
(gekürzt um Begrüßung und Schlußwort)

Streetart. Das klingt nach Vandalismus und Beschädigung fremden Eigentums, nach Aufstand und Zerstörung. Zumindest, wenn wir an deutschen Stammtischen oder in Boulevard-Redaktionen nachfragen. Gemeint ist dann das Sprühen an öffentlichen oder privaten Gebäuden. Außer acht bleibt dabei, dass es dieses Sprayen schon bis in die bedeutendsten Museen geschafft hat.

Tatsächlich hat Streetart ursprünglich viele Momente des Unangepassten, des Anderen, des Protestes. Schon die Tatsache, dass beim nicht-musealen, also illegalen Sprühen niemand erkannt werden will, führt dazu, dass hier die Künstlerinnen und Künstler anonym bleiben müssen. Und dies steht im radikalen Widerspruch zur sonstigen Kunstszene, wo die Erkennbarkeit der Kunstschaffenden ein wichtiges und verkaufsförderndes Merkmal ist. Ein Werk von Josef Beuys wäre ohne die Zuordnung zu ihm wohl für maximal zehn Prozent dessen verkaufbar, was es mit dem Namen Beuys erzielen kann. Und das gilt auch für Werke von z.B. Albrecht Dürer. Ganz abgesehen davon, dass wir hier den Umstand attestieren müssen, dass nicht selten ganz offenbar nicht die Qualität des Werkes, sondern der Name des Künstlers bzw. der Künstlerin preisbildend ist – ganz abgesehen davon sehen wir hier, wie sich Streetart dem Kunstmarkt ursprünglich verweigerte und schon damit dissident war – und großteils auch noch immer ist.
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Beitrag für Wikipedia: Mutsuo Hirano

Er hatte bisher keinen Eintrag bei Wikipedia, der Künstler Mutsuo Hirano. Das habe ich gestern geändert, da er meiner Meinung nach ein herausragender Bildhauer ist, der mir gezeigt hat, dass die Arbeit mit Terrakotta nicht etwa nur etwas für künstlerisch interessierte Bankdirektorsgattinnen ist, die sich mal verwirklichen wollen; vielmehr ist es ein ernst zu nehmendes Material, mit dem er herausragende Kunst schafft.
Mir ist aber klar, dass noch mehr Informationen über ihn im Wikipedia-Beitrag sinnvoll sein können. Da diese Enzyklopädie immer weiter entwickelt wird, sind sinnvolle Nachträge jederzeit möglich.

Hier sind einige der Terrakotta-Arbeiten von Mutsuo Hirano zu sehen; das Portrait auf den Bildern von Thomas Lange zeigt auch immer wieder ihn.

Der Urspungstext, den ich auf Wikipedia gesetzt habe, sei hier wiedergegeben, da sich – wie gesagt – die Einträge dort auch verändern können:
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Die Malerin Martina Pechtold

Eine Würdigung mit Hinweisen zu den Beispielen auf ihrer Homepage

Dem Tod ins Auge gehen, 90 × 90 cm, Tusche und Acryl sowie Fossil eines Ammonit auf Leinwand, Teilansicht

Werkzyklus „Frau“

Am Anfang des Schaffens von Martina Pechtold stehen Frauenbilder, verschiedenste Motive, unterschiedliche Materialien und Techniken, gegenständliche und abstrakte Malweise verschmelzen; es ist die Beschäftigung der Künstlerin mit sich selbst, mit ihrem Eigenen wie mit dem, was aus einem Menschen gemacht ist, der als Frau zur Welt kommt.
Am Anfang die Beschäftigung mit sich selbst zu setzen ist sinnvoll. Und es scheint ebenso sinnvoll, möglichst viele Materialien und Möglichkeiten auszuprobieren, um sie kennenzulernen, zu erfassen, ihre Tauglichkeit zu prüfen.

--> Einige Beispiele zum Werkzyklus Frau 1995 – 2000
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