Archiv der Kategorie 'SOZIALE REALITÄTEN'

Biergarten, Geschäft und der Krach

Hat der „in diesem unserem Lande“ (Kohl) so weit verbreitete Unfug, sich beständig Vorwände für das kollektive Zuführen rauscherzeugender Flüssigkeiten zu verschaffen, irgendetwas mit Kultur zu tun? Ja. Es ist die Kultur derer, die in ihrem Leben zu wenig solidarische Kollektivität, zu wenig echte Erregung, zu wenig beglückenden Spaß, zu viel an Arbeitslangeweile oder wahlweise Arbeitsstress haben, die einmal wirklich abschalten oder wirklich etwas erleben wollen. Es ist die Kultur von uns allen. Dass wir aber genau mit diesen kollektiven Besäufnissen eben nicht dahin kommen, wo wir gerne hinkämen – geschenkt.

Der ganze Beitrag findet sich hier.

Helmut Schmidt: Kein Nachruf

Ein Beitrag, der auf meiner Facebookseite sonst langsam nach unten wandern und verschwinden würde, sei hier festgehalten. Es ist kein Nachruf auf einen Politiker, lediglich eine Anmerkung zu der Aufregung um einen Nachruf.

Ich bn absolut kein Freund von Erika Steinbach, ich halte sie für eine alte Hasspredigerin. Wenn sie aber Helmut Schmidt zitiert (Zitat Schmidts aus dem Jahre 1981: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.“), warum regen sich dann alle über Steinbach auf und nicht über den, der das Zitat losgelassen hat? Das Zitat mit der entmenschten Sprache, mit dem „Verdauen“ von Ausländern, mit der Schmidt bereits damals das Rassistenbesteck auspackte und hetzte, obwohl es 1981 noch viel weniger Zugezogene waren als heute. – Ach ja, Schmidt ist tot, daher darf nichts Schlechtes mehr gesagt werden. Warum? Weil plötzlich nicht gilt, dass er ein Kanzler des Atomprogramms war? Weil plötzlich nicht mehr stimmt, dass er die Berufsverbote für Lehrkräfte mit exekutierte? Weil er plötzlich doch nichts mehr mit der „Nachrüstung“ genannten Überrüstung zu tun hatte? Weil er nun doch nicht der erste CDU-Kanzler der SPD war? Nur Menschen mit einem schon pathologischen Vaterproblem können in ihm, dem starken Übervater, eine Lichtgestalt sehen. Wer seine Kerzen noch alle auf dem Christbaum brennen hat, muss einsehen: Das war auch nur einer dieser deutschen Männer, die uns scharenweise in jedes nur erdenkliche Unglück zu lotsen bereit sind. Und die dafür vom folgsamen Volk auch noch stehenden Beifall erwarten.

Reinhard Frankl ergänzte dazu:

Nicht zu vergessen: Schmidt war der erste Austeritäts-Kanzler und Erfinder der unsäglichen und undemokratischen Implementierung von G7/G8, ein Wegbereiter der neoliberalen/kapitalistischen Globalisierung, ein Militarist und Antikommunist bis ins Mark. RIP!

Zwischen einheimischer Exotensehnsucht und brutalen Fluchtrealitäten

Plädoyer für die Wahrnehmung der Realität

Editorischer Hinweis: Dieser Beitrag wurde Mitte September 2015 geschrieben, danach den linken Internet-Portalen LOWER CLASS MAGAZIN und TREND angeboten und von beiden nicht veröffentlicht.

Auf bis zu 1.000.000 wird die Zahl der Flüchtlinge geschätzt, die 2015 den Weg nach Deutschland finden. Nach Jahrzehnten, in denen die Bundesrepublik sich erfolgreich abschotten konnte und eine gerechte Verteilung der Asylsuchenden in Europa im eigenen Interesse ablehnte, ist die Abschottungspolitik nun an der Realität gescheiter. Und Deutschland schreit nach dem, was es bisher immer verhinderte: eine gerechte Verteilung der Zufluchtsuchenden auf alle europäischen Länder!

Gleichzeitig geht eine nicht vermutete und nicht gekannte Hilfewelle durch das Land. Jede und jeder möchte nur eines: Flüchtlingen helfen! So scheint es zumindest. Und die Hilfsbereitschaft ist wirklich enorm und kaum erklärbar; letztendlich auch nicht dadurch, dass sie von oben – aus Politik und Wirtschaft – gewollt und unterstützt wird, um das Ansehen Deutschlands in der Welt ganz nachhaltig zu verbessern.

Die Hilfewelle überdeckt noch immer das beständig anschwellende ungemütliche Grummeln im Hintergrund, das sich nicht mehr nur bei den so genannten sozialen Medien im Internet, sondern auch in Leserbriefen und ganz offenen Wortmeldungen beim Gespräch an der Supermarktkasse, bei Familienfeiern, Stammtischen etc. äußert. Jene Wortmeldungen dessen, was als Mob zu bezeichnen es nur unzureichend trifft, sind es doch die guten Bürgerinnen und Bürger, die hier Unfug und Unmenschliches verbreiten, weit entfernt davon, jemals die NPD oder Die Rechte wählen zu wollen, weit entfernt auch von der Idee, bei PEGIDA oder anderen unsympathischen Zusammenrottungen mitlaufen zu wollen. Dieses anschwellende Hintergrundgeräusch nicht wahrnehmen zu wollen, könnte noch einmal gefährlich werden. Vor allem für die Flüchtlinge. (mehr…)

Sotschi

Winter-Olympiade im russischen Sotschi, das ist schon an sich ein gespielter Witz: „Das Klima der Küstenzone Sotschis ist subtropisch mit langen, heißen Sommern, warmem Herbst und kurzen, milden Wintern“ (wikipedia).
Überhaupt: Blindenfußball gilt als nicht besonders aufregend für die Zuschauer. Aber gemessen an so gut wie allen Disziplinen der olympischen Winterspiele ist Blindenfußball eine hoch erregende Sportart!
Die Griechen als Erfinder der Olympiade hätten sich wohl vieles vorstellen können, aber nicht, dass überzüchtete Athleten auf hochtechnisierten Brettern einen steilen Abhang herunter rasen und das Sport nennen.
Wenn aber schon olympische Spiele im Winter sein müssen, dann doch nicht im homophoben und pseudo-demokratisch regierten Russland! – Was soll´s. Auf mich hört ja keiner …

Die Tage des Tretens – auf dem Rasen und anderswo

Doping auch im Fußball, Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft, Rekordsummen für Spieler-Transfers … Da bringe ich einfach mal einen älteren Beitrag zur schönsten Nebensache der Welt – oder dem, was mal schönste Nebensache war.

I
Zwei freundliche Bemerkungen vorweg

„Ich liebe nicht den Staat, ich liebe meine Frau.“
Gustav Heinemann
(mehr…)

Schönhuber reloaded

Es sind Wahlen ausgerufen. Und neben den üblichen Verdächtigen melden sich auch wieder einmal Rechtspopulisten zu Wort. Da kann es nichts schaden, einen Beitrag aus dem Jahr 2010 zu präsentieren, der damals beim Online-Magazin TREND erschien: Schönhuber reloaded.

Wir wollen doch lieber keine strahlende Zukunft

Angesichts der weiterhin katastrophalen Situation nach dem Reaktorünglück in Japan veröffentliche ich hier meinen Text vom 15.04.2011, der zuerst auf meinem alten Blog, dann bis heute bei disk.blogsport.de zu lesen war.

Strahlend

Als am 11. März 2011 ein Erdbeben einen Tsunami auslöste, war Japan gleich von zwei Naturkatastrophen betroffen. In der Folge führte dies zu einer massiven Schädigung an mehreren Atomkraftmeilern, die als die vor Erdbeben am besten gesicherten der Welt galten. Die Folgen sind bekannt. (mehr…)

Provinz – ein sozialer Ort

In der Zeitschrift ARRANCA (Berlin) Nr. 4 (Juli 1994) erschien mein Beitrag „Was ist Provinz? – Über die Arroganz der Metropole und die Schönheit der Provinz“ ohne Autorenangabe; es handelte sich um eine Zweitveröffentlichung aus der NHZ (Hanau), wo der Beitrag unter Pseudonym erschienen war. Nun hat die Redaktion ARRANCA den Aufsatz – wenngleich mit einigen Tippfehlern und ohne den ergänzenden Kasten – im Internet veröffentlicht.

Ich habe festgestellt, das einige der Aussagen des Beitrages heute – nach fast 20 Jahren – neu diskutiert werden müssten; und genau das kann nun auch geschehen. Kritik und Anregungen können gerne als Kommentare angefügt oder an mapec@gmx.de gesandt werden.

Manchmal ist die Welt selbsterklärend

Das Hören von Bayern 5 macht klüger. Nicht immer. Vielleicht auch nicht immer öfter. Aber heute war es mal wieder so weit.
Aber der Reihe nach.
In Ägypten kämpft die bürgerlich-militärische Fraktion gegen die religiös-autoritäre (die ich als eine der Spielarten des Faschismus ansehe). Blutig, mit hunderten von Toten. In Deutschland höre ich heute erneut den FDP-Außenminister, der mit dringlich-mahnenden Worten dazu auffordert, es mögen die Konfliktparteien doch unbedingt an den Verhandlungstisch gehen und das Kämpfen sein lassen. Nun ist es die Aufgabe eines Außenministers, in solchen Fällen mahnende Worte zu finden, auf dass das eigene Land als friedfertig und demokratisch gut dastehen – im Gegensatz zu diesen gewaltsamen und antidemokratischen Regimes. Aber warum macht er das so eindringlich? Wenige Wochen vor der Bundestagswahl kann er sich doch wahrlich Themen suchen, die das deutsche Wahlvolk erheblich mehr interessieren als der nächste Ägyptenurlaub. Es muss ihm also wirklich etwas an der Sache liegen. Und prompt kommt die Auflösung noch in der selben Nachrichtensendung: Die Waffenexporte aus Deutschland nach Ägypten müssen angesichts der dortigen Situation auf Eis gelegt werden. Kein Handel, vor allem kein Waffenhandel, das bedeutet Umsatzeinbußen hier in „diesem unserem Lande“ (Kohl)! So machen die Worte des Ministers Sinn. Es hat also nichts mit Demokratie oder Gewaltfreiheit zu tun, denn da müssten täglich z.B. mahnende Worte an das Regime in Saudi Arabien gerichtet werden. Es geht um Handel mit Waren aller Art, insbesondere Kriegsgerät. Da liegt dann auch der Unterschied zu den Saudis: Da klappt es mit dem Waffenhandel vorzüglich.
Dann mal ganz herzlichen Dank nach München zum Bayerischen Radio. Durch geschickte Montage der Nachrichten wurde eine wichtige Einsicht leicht verständlich transportiert. Hut ab!

Suizid und System – ein Fragment

Der Suizid der oppositionellen Kräfte ist die dem System selbst angenehmste Auflösung der Probleme und Verwerfungen innerhalb der kapitalistischen Moderne. Nicht die Verhältnisse selbst müssen dann erkennbar zu Ausschluss, Strafe, Inhaftierung und Terror drängen, vielmehr bleibt die Ausschaltung des Oppositionellen eine Summe individueller Akte, für die sich niemand in den Schaltzentralen und Ideologieproduktionen zuständig fühlen muss.

Festgehalten zur ggf. späteren Verwendung (ursprünglich ein Kommentar vom 11.03.13 auf einen FB-Eintrag von Hannes Schalk).