Archiv der Kategorie 'GESCHICHTE UND ERINNERUNG'

Deutschland gedenkt offenbar anders als ich


Neue Synagoge in Miltenbeg, 1903 bis 1938, Aufnahme um 1910, Postkarte im Verlag Antik & Trödel, Hauptstr. 95, 63897 Miltenberg, Tel. 09371 6 63 96 / übernommen von kommunal.blogsport.de

Heute ist wahlweise der internationale Gedenktag an die (jüdischen) Opfer des Holocaust oder – zumindest in Deutschland – der Gedenktag an alle Opfer des Nazi-Regimes. Kann das Land der Täter den Jüdinnen und Juden keinen eigenen Gedenktag zugestehen? Wollte Roman Herzog – der vielgepriesene (was ich nie verstanden habe) Ruck-Prediger – mit einem Aufwasch alle Opfergruppen abfertigen, statt jeder Gruppe einen eigenen Gedenktag zuzugestehen?
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Der 11. September 2001: Terror, Krieg, erneuter Terror und immer weiter?

Fünfzehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA veröffentliche ich hier einen Beitrag, der wenige Monate nach dem damaligen Ereignis die Reaktionen vor allem auch am bayerischen Untermain beschreibt und alles in einen Zusammenhang setzt. Der Beitrag erschien ursprünglich im Informationsdienst ASYL AM UNTERMAIN Nr 27, März 2002. Den Beitrag gibt es aus als Faksimile – zusammen mit drei anderen zeitgenössischen Presseveröffentlichungen aus der Region Aschaffenburg-Miltenberg als PDF-Datei. Er erschien zum zehnten Jahrestag der Anschläge im regionalen Blog kommunal.

Der 11. September
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Das Kollektiv der Deutschen und der Fußball

Der Bundestrainer im Fußball der Männer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wir für Euch | Ihr für uns“. Ein Nazi-Durchhalteplakat aus dem „3. Reich“ hat den Text: „Ihr für uns! Wir für Euch!“
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Broschüre: Tatort Miltenberg – Nichts ist vergessen

Tatort Miltenberg – Nichts ist vergessen, Betrachtungen zur Geschichte einer kleinstädtischen jüdischen Gemeinde im NS-Regime, Im Anhang: Anmerkungen zu Fragen der Erinne­rung & „Das wären wirklich Steine, über die viele stolpern müssten“

Aus einigen bereits veröffentlichten Beiträgen und Bildern (zuzüglich eigens aufgenommene Fotos und kleinere verbindende Textteile) habe ich eine Broschüre mit obigem Titel erstellt, die sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Miltenbergs in ihren letzten Jahren beschäftigt sowie mit dem Erinnern an das damals Geschehene.

Diese Broschüre hat 36 Seiten Umfang im Format 29,7 x 21 cm. Sie kann als PDF (2,4 MB) bei mir per Email kostenfrei angefordert werden. Das heißt: Lediglich eine Email an mapec@gmx.de mit einer kurzen Bitte um Zusendung muss aufgewandt werden, schon erhält man diese Broschüre als Datei zugesandt.

Ich danke an dieser Stelle ganz herzlich Martina und Andreas, die bei der Idee und als kritische Leserin bzw. Leser zur endgültigen Form der Broschüre beigetragen haben.

Anmerkungen zu Fragen der Erinnerung

Rede gehalten im November 2012 in Miltenberg

Nach meinem Beitrag bei der Veranstaltung zum 9. November 2011 in Miltenberg erhielt ich mehrere Reaktionen, die mich veranlassten, einigen Fragen nachzugehen. Dies möchte ich im folgenden tun.

Frage 1: Können wir den antifaschistischen Zeitzeugen trauen?

Ich selbst habe bei der Veranstaltung im letzten Jahr erwähnt, dass ich nicht alle Angaben des zitierten Zeitzeugen für die Ereignisse am 9. und 10. November 1938 in Miltenberg für historisch nachvollziehbar halte. Es war aber der einzige Bericht, der eine Stimmung dieser Ereignisse wiedergibt. Als solcher wurde er verlesen. Auch historischen Zeitzeugen gegen das Naziregime muss ich zugestehen, dass sie nicht unfehlbar sind; dennoch finde ich in ihren Aussagen immer wieder hochgradige Übereinstimmung zur wissenschaftlichen Forschung, spüre ich bei ihnen jene Wärme, Selbstreflexion und Solidarität, die wir in den Originaldokumenten der damals Herrschenden so schmerzlich vermissen.
Für viel problematischer halte ich die Zeitzeugenberichte der in einschlägigen Publikationen so genannten „Erlebnisgeneration“, also derjenigen, die ein sehr starkes Interesse hatten und – soweit sie noch leben – auch heute noch haben, die Gräuel nicht wie Gräuel, den Terror nicht wie Terror und die eigene Schuld nicht wie Schuld aussehen zu lassen.
Wir aber können für unser Gedenken nur die Ergebnisse der historischen Forschung heranziehen – und die Zeitzeugen, die nicht den Tätergeruch verströmen.
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Interview mit Zeitzeugen zum Kriegsende 1945

1995 erschien – zum 50. Jahrestag des Kriegsendes 1945 – eine Broschüre, die auch einen Bericht von mir über ein Interview mit Zeitzeugen enthielt.

In diesem Jahr wird der 70. Jahrestag der totalen Kapitulation des nazi-faschistischen Deutschland gefeiert. Grund genug, auf das Interview von damals hinzuweisen, das sich bei kommunal findet.

„Das wären wirklich Steine, über die viele stolpern müssten“

Ein Interview, das das Blog kommunal mit mir führte, wird hier nach-veröffentlicht:

In Aschaffenburg liegen sie schon, in Miltenberg sind sie angeregt worden – die Stolpersteine genannten kleinen Bodenplatten, die vor den Wohnhäusern ehemaliger Jüdinnen und Juden an diese erinnern sollen. Da es sich dabei um ein „Kunstprojekt für Europa“ des Künstlers Gunter Demnig handelt und auch dessen zentrales und wohl einzig wirklich bekannt gewordenes Kunstprojekt ist, haben wir zu dieser Sache einen anderen Künstler befragt: den in Miltenberg lebenden Mapec, der ebenfalls gesellschaftliche Themen mittels Kunst behandelt. Das Interview führte Sebastian Schalk aus der kommunal-Redaktion.

kommunal: In dutzenden von Städten liegen sie schon, die Stolpersteine. Sind sie die Lösung schlechthin, wenn es um Gedenken geht?

Mapec: Ich denke nicht. Ich möchte stattdessen an die zahlreichen Häuser in der Hamburger Innenstadt erinnern, an denen auf Tafeln „Zerstört 1943, wiederaufgebaut“ steht, verbunden mit dem entsprechendem Hinweis, in Augenhöhe. Alles also an den Wänden, gut lesbar. Diese Tafeln erinnern an die Bombardierung der Stadt und deren Opfer. Wir könnten etwas kritisch anmerken: Die ehemalige Volksgemeinschaft der Deutschen betrauert hier gut lesbar ihr Schicksal. Ich hoffe, dass die Hamburger dabei wenigstens das Richtige lernen.
Dem gegenüber gibt es auch in Hamburg diese kleinen Platten im Boden, auf denen nach den Worten „Hier wohnte“ auf die meist jüdischen Opfer hingewiesen wird. Um im Bild zu bleiben: Die ehemalige Volksgemeinschaft läuft gerne über die Namen ihrer Opfer hinweg. Gedenken findet in diesem Fall nicht auf Augenhöhe statt, wie bei den Gedenktafeln an der Wand.
Zudem ist es wohl so, dass viele jüdische Namen religiösen Bezug haben, und es ist für strenggläubige Jüdinnen und Juden kaum erträglich, wenn diese Namen im Straßenschmutz liegen.
Ich muss also Charlotte Knobloch, der einstigen Vorsitzenden des jüdischen Zentralrates in Deutschland, Recht geben, wenn sie die Stolpersteine ablehnt. Und das, obwohl sie eine Frau ist, mit der ich politisch sonst eher keine Gemeinsamkeiten habe. (mehr…)

Weltkrieg, Heldentod und Vaterland

Über das seltsame Gedenken an einem Ort, an dem es nicht zu vermuten war, habe ich für die kommunal-Sonderseite zum Gedenkjahr 2014 geschreiben (100 Jahre Beginn 1. Weltkrieg und 75 Jahre Beginn 2. Weltkrieg).

Betrachtungen zur Geschichte einer kleinstädtischen jüdischen Gemeinde im NS-Regime

„Blut und Boden! Nicht nur der Landschaft Frucht und Schönheit, nicht nur des Städtleins traulicher Zauber verbinden uns so innig mit der viel gepriesenen Perle des Mains. Uns ketten noch fester an Heimat und Vaterland die Bande des Blutes, die leibliche und geistige Beziehung zu den Menschen, die wie wir aus dem Boden dieser gesegneten Stätte erwuchsen.“
Es sind Zeilen wie diese von Rudolf Vierengel, nachzulesen in der Schrift „700 Jahre Miltenberg“ aus dem Jahr 1937, die uns den damaligen Zeitgeist vor Augen führen; voll von kitschigstem Pathos, von pseudoromantischer Schwülstigkeit nur so triefend und unterlegt mit der immer mitschwingenden Drohung, man werde es denen schon zeigen, die nicht „wie wir aus dem Boden dieser gesegneten Stätte erwuchsen.“
Wer das aber sein solle, die Außenseiter, das will man selbst bestimmen oder sich zumindest vom Führer bestimmen lassen.

So beginnen meine „Betrachtungen zur Geschichte einer kleinstädtischen jüdischen Gemeinde im NS-Regime“ (so der Untertitel) aus dem Jahr 2008, die bei kommunal veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei um so etwas wie meine vorläufige Abschlussarbeit bei der Beschäftigung mit dem entsprechenden Kapitel jüngerer Geschichte in jeder Kleinstadt, in deren ältestem Stadtteil ich vor Jahrzehnten das trübe Licht der Welt erblickte.

Erfolgreiche Arbeit: 20 Jahre Bündnis gegen Rechts AB-MIL

Bevor das Bündnis nächstes Jahr 25 Jahre alt wird, möchte ich doch noch meine Ansprache beim Festakt „20 Jahre Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg-Miltenberg“ veröffentlichen, die ich am 21. Oktober 2009 im Rathaus Aschaffenburg gehalten habe.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts Aschaffenburg-Miltenberg,

wer – wie ich – mit großem Interesse die Sozialgeschichte unserer Region beobachtet, der oder die kann am Bündnis gegen Rechts nicht vorbei. Nach 20 Jahren ist diese Initiative nicht nur ein fester Bestandteil der politischen und kulturellen Szene am Untermain; im Bündnis gegen Rechts zeigt sich fast exemplarisch das Auf und Ab, das für thematische Initiativen typisch ist.
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