Archiv der Kategorie 'BEDENKENSWERT: ZITATE'

Die Tradition aller toten Geschlechter


Zitat oben: Ernst Bloch, Gemälde: Mapec

Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. …
Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen.

aus: Karl Marx – Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852), zitiert nach: MEW Bd. 8, S. 115

In Kultur und Politik, in Kunst und (linken) Organisationen gibt es dieses von Marx so früh schon beschriebene Phänomen noch heute: Neues schaffen wollen, aber die Form des Alten nicht verlassen können, da die Angst vor der Unsicherheit zu groß und die Kreativität zu klein ist.

Und dann gibt es noch jene geistig Minderbemittelten, die erbärmlicherweise gar kein Neues schaffen wollen, sondern von vorn herein das Alte zur Auferstehung treiben möchten. Dies sei nur erwähnt, um festzuhalten, dass solches Denken und Tun zwar eine beständige Gefahr darstellt, sonst aber hier nicht erwähnenswert ist.

Reiche sind emotional verarmt

In dem Buch, das ich gerade lese und in dem es um Beziehungen und ihre Bedeutung für gesellschaftliche Veränderungen geht, steht ein interessanter und zugleich aufschlussreicher aber auch fürchterlicher (weil zutreffender) Satz:

Verschiedene Experimente konnten nicht nur zeigen, dass Menschen umso weniger bereit sind, Hilfsbedürftige zu unterstützen, je reicher sie sind, schneller hupen und umso seltener an Zebrastreifen halten, je mehr ihre Autos kosten, sondern auch, dass sie mit zunehmendem Vermögen immer weniger in der Lage sind, die emotionalen Gesichtsausdrücke ihrer Mitmenschen zu lesen.

Bini Adamczak, Beziehungsweise Revolution, edition suhrkamp 2017, S. 254

… packt mich ein Verlangen

Eines meiner früheren Lieblingszitate stammt aus einem Lied von Konstantin Wecker (aus dem Jahr 1977):

In diesen Nächten packt mich ein Verlangen,
das wie ein Feuer kommt, um all den Mist
und Wirrwarr meiner Seele zu durchwandern.
Doch ich versuche nicht, mich abzufangen,
weil es ganz sicherlich schon ein Verbrechen ist,
nicht so kaputt zu sein wie all die andern.

Gold und Mist

Reden ist Gold und schweigen ist Mist!

- MALi -

Da liegt sie richtig! Der bösartige Volksmund will es zwar anders wissen, wonach das Reden nur Silber sei und das Schweigen sei Gold, aber das ist nur der Lehrspruch für angehende Duckmäuser, deutsche Untertanen, erbärmliche Knechtskreaturen (die schon pathologisch ihr Maul halten) sowie Gefühlskrüppel (die nicht über ihre Gefühle sprechen können). Hingegen sage auch ich: Reden hilft, reden heilt, reden sorgt für Lustgewinn!

Sauberkeit und Lebensverschwendung

Ein wunderbar sauberes und sehr aufgeräumtes Haus ist ein untrügliches Zeichen – und zwar für ein völlig verschwendetes und sinnfreies Leben.

(Autor unbekannt)

Germanys Top-Ekel: Heidi Klum

Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nationale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.

Roger Willemsen über Heidi Klum

… der menschlichen Gesellschaft gefährlich

Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. […] und es wird ein Dekret erlassen, daß, wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird; daß, wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist; daß jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird.

Georg Büchner (1813 – 1837: Leonce und Lena, hier zitiert nach: Peter-Paul Zahl: Die Glücklichen. Schelmenroman. Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 153

Hoffnung

Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.

Ernst Bloch

Zeit aus den Fugen & humorvolle Leichtigkeit

«Ich wollte gern eine radikale Geschichte über unsere Zeit erzählen, die aus den Fugen ist und sich den bösen Mantel der humorvollen Leichtigkeit überwirft.» Regisseurin und Drehbuchautorin Aelrun Goette zum letzten Bodensee-Tatort mit Eva mattes und Sebastian Bezzel (Erstausstrahlung heute).
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Die Wahrheit klingt nicht schön

Warren Buffett, Großinvestor (nach seinem eigenen Verständnis wohl: Angehöriger der Kapitalistenklasse), 2016 beträgt sein Vermögen ca. 60,8 Milliarden US-Dollar: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ (zitiert nach Jutta Ditfurth: Zeit des Zorns; Original: ”There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” Interview mit Ben Stein, New York Times, 26.11.2006)