Die Frisur stimmt

Eine Polemik
gegen die Frisuren des Grauens

Drei Spieler einer exotischen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft im Fußball der Männer? Nein, selbstverständlich sofort erkannt: Das sind drei von der Hitlerjugend. Aber die Frisur stimmt.

Es gibt Zufälle. Dann, wenn etwas passiert, das wir nicht haben kommen sehen, das wir es uns nicht erklären können. Frisuren sind keine Zufälle. Sie sind kulturelle Ergebnisse. Und sie sind zumindest einordbar in gesellschaftliche Prozesse. Dass genau jetzt die einstigen (rebellisch konnotierten) Langhaarfrisuren bei Männern ganz auf den Müll der Geschichte gekippt wurden, die aus Jamaika geklauten Locken nur noch bei Hardcore-Rastas verbreitet sind, uns dagegen seit einigen wenigen Jahren ein einerseits großdeutsch-nazistischer, andererseits nachkriegs-spießiger Haartyp nervt, das ist kein Zufall.

So wenig wie den weiblichen Körper einschnürende Mieder Zufall waren, so wenig wie zu kleine Frauenschuhe im historischen Japan Zufall waren, so wenig wie die langen Männerhaare bei den Achtundsechzigern Zufall waren, so wenig wie der Wechsel des Schönheitsideals von sehr heller zu sonnengebräunter Haut Zufall war. Und die heute manchmal zusätzlich zu sehenden Vollbärte? Nun, die machen es auch nicht wirklich besser, obwohl sie nichts nazistisches an sich haben, dafür aber wahlweise an Kaisers Zeiten oder den Bart des Propheten anknüpfen. Lediglich die Tätowierungen, die passen überhaupt nicht ins historisch-eklige Gesamtbild, war in die Haut Eingefärbtes doch der Blutgruppenmarkierung bei SS-Männern vorbehalten (und den Häftlingsnummern im KZ), nicht aber als seltsame Form von Körperwelten, mittels der die Trägerinnen und Träger von Tattoos ihre eigene vermeintliche Besonderheit dokumentieren wollen und damit bis zur absoluten Uniformität treiben (wenn fast alle Tattoos haben – oder eben Blech in Nase, Lippe, Ohren, Backe, Brustwarze etc.).

Selbstverständlich: Kaum einer mit Kurzhaarmatte ist ein Nazi. Aber einfach nur Mode ist das auch nicht, was dem stilvollen Zeitgenossen und der nach ästhetischer Schönheit suchende Zeitgenossin da so unangenehm entgegenspringt.

Mag der Grund der heutigen Frisuren des Grauens im erstarkenden Nationalismus in Europa und darüber hinaus liegen (Ungarn first, Polen first, USA first, Buxtehude first …), mögen die von Horden vermeintlich verwilderter und mit Krummsäbeln ausgerüsteter Einwanderer um ihre Identität (die sie vorher auch nicht hatten!) bedrohten Biodeutschen mit Rückerinnerung an das „gute Alte“ reagieren, mögen Zuwanderer der dritten Generation den autoritären Präsidenten des Herkunftslandes ihrer Vorfahren verehren und daher dessen reaktionären Unfug durch Haartracht zum Ausdruck bringen wollen, mögen sexistische Männerscharen sich um den Gewinn des Patriarchats betrogen fühlen und daher auf männlich erkennbare Haare pochen, mögen vom Feminismus nie berührte Frauen in ihrer Suche nach Halt und Ordnung auf männliche Dominanz (gezeigt durch Haartracht) stehen, mag das alles nicht auf logischer sondern auf psycho-logischer Ebene ablaufen, quasi nichtbewusst von hinten durch die Psyche auf den Kopf, mögen … ich weiß es letztendlich nicht. Ich weiß nur: Diese Haartracht ist zum Kotzen! Sie ist eine ästhetische Beleidigung und eine Geschichtsvergessenheit sondergleichen. Wetten, dass der von den faschistischen PI-News so hochgelobte und völlig unnötige Fächerschwenker Lagerfeld diesen Haarmüll gut findet?

Foto: Drei Hitlerjungen / aus einer historischen Fotografie


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