Archiv für Mai 2018

Fotografie kann Kunst sein

Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini, genannt Tina Modotti, war Fotografin. Sie war noch mehr als das, aber hier zählt ihr künstlerisch-fotografisches Werk, das sehr schön zeigt: Fotografie, wenn sie nicht gerade als peinliches Selfie daher kommt, kann sehr wohl Kunst sein!

So zeigt uns das obige Foto einer mexikanischen Revolutionärin sehr schön den Stolz und die Stärke amerikanischer Frauen. Das Bild ist gut komponiert, die Grautöne erzeugen Spannung, die (rote) Fahne weht nicht heroisch im Wind, sondern bekleidet die Trägerin, umhüllt sie fast, die damit assoziierte sozialistische Idee verspricht Umfassung und Aufrichtung. Ernst Bloch würde wohl vom Wärmestrom der Geschichte sprechen angesichts dieses Fotos.

Sterne, Wölfe und andere Menschen

Die Sichtweise der Maria Lehnen

Im Folgenden will ich einen Blick werfen auf die Werke der Künstlerin Maria Lehnen, die in der Dauerausstellung des Museum.Burg.Miltenberg zu sehen sind und insbesondere in der 2015 stattgefundenen Sonderausstellung ebenda zu sehen waren. Es wird zu zeigen sein, dass Maria Lehnen bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Schaffensphasen eine durchgehende Idee verfolgt, die sich zeigt in einer zutiefst dem Menschen zugewandte Sicht auf die Welt.

Ich mache ausdrücklich – obwohl es eigentlich klar sein sollte – darauf aufmerksam, dass dies mein persönlicher Zugang zum Werk von Maria Lehnen ist. Vor allem in der Interpretation einzelner Objekte können sicherlich auch ganz andere Assoziationen auftauchen. Allerdings behaupte ich, dass die zentrale Aussage – die positive Zuwendung zum Menschen – nicht in Frage zu ziehen sein wird.

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Sterne, Wölfe und andere Menschen

„Sterne, Wölfe und andere Menschen“ – nicht zum ersten Mal zeigte 2015 die Malerin und Bildhauerin Maria Lehnen die Ausstellung mit dem im ersten Moment etwas verwirrenden Titel. Diesmal waren ihre Werke im Museum.Burg.Miltenberg zu betrachten, in hervorragender Erweiterung ihrer Arbeiten, die dort in der Dauerausstellung zu sehen sind.

„Sterne, Wölfe und andere Menschen“ – diesen Titel müssen wir wörtlich nehmen. Denn bei Maria Lehnen dreht es sich immer um den Menschen, der aber auch als Wolf – oder als dessen Antipode, das Schaf – und manchmal auch als Stern daherkommen kann. Versuchen wir, uns der Lehnenschen Bildwelt auf Grundlage dieser Feststellung zu nähern.

Die Wölfe

Auffällig ist, dass der Wolf in der Kunst von Maria Lehnen zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen hat. Da ist einmal die Stärke, Klugheit und Ausstrahlung, die die Künstlerin vor allem ihrer Wolfsfrau-Skulptur aus Erde, Polyester und eingesetzten Glasaugen gegeben hat. Wolf, Frau und Erde – das könnte Assoziationen zu esoterischem oder gar rechtem Mystizismus heraufbeschwören. Bei einer erfreulich bodenständigen, dabei humanistisch geprägten und höchst bewusst gestaltenden Künstlerin wie Maria Lehnen sollte dies allerdings nicht ernsthaft angenommen werden. Vielmehr sehe ich in diesen Wolfsfrauen (neben der genannten gibt es eine zweite, die als Modell für einen Bronzeguss gearbeitet wurde) schlicht und ergreifend eben jene nötige Stärke verkörpert, die einer Frau verhilft, sich auf den Weg zu machen, heraus aus den noch immer mächtigen Beengungen des lange nicht überwundenen Patriarchats.

Bewusst sind diese Mensch-Wölfinnen als Frauen kenntlich gemacht, um ihre Kraft weiblich zu setzen. Zwar gibt es auch eine männlich oder androgyn zu deutende Mensch-Wolf-Skulptur („Wolf III“, Modell für Bronze), aber die stärkste ist eindeutig jene mit den intensiven Augen aus Glas, die eindeutig als weiblich erkennbar ist.
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Eine Zeichnung – und die Inspiration dazu

ohne Titel
2018
Tinte und Gelstift auf Papier
21 × 14,8 cm
(rechtes Foto)

Zahlreiche Zeichnungen entstehen nach Inspiration durch andere Kunstwerke. Im obigen Fall war eine kleine Skulptur von Maria Lehnen im Museum.Burg.Miltenberg die Inspirationsquelle (Foto links). Es geht dabei nie darum, diese inspirierenden Kunstwerke nachzubilden; es geht vielmehr darum, eigene kreative Prozesse in der Auseinandersetzung mit anderen Werken auszulösen.