Archiv für November 2017

Was ist gute Kunst?

Vorne rechts: Die Singer-Songwriterin Nancy Vögelein, die die Vernissage musikalisch umrahmte, vor einigen der Gäste.

Ansprache bei der Vernissage der Gruppe FarbMagie am 25.11.2017 im Café fArbe, Miltenberg

Selbstverständlich übernahm ich gerne die Aufgabe, heute bei dieser Ausstellungseröffnung der Gruppe FarbMagie einige Worte zu sprechen, halte ich doch das Wirken dieser Gruppe aus Künstlerinnen und Künstlern für nicht nur nachahmenswert, sondern die Mitglieder der Gruppe für nette Menschen, teils eigenwillige Künstlerpersönlichkeiten und in einigen Fällen sogar sehr angenehme Mitglieder des Künstlerstammtisches, den ich gerne besuche.

Wir feiern heute nicht nur die Eröffnung der diesjährigen Mitgliederausstellung der Gruppe FarbMagie, wir begehen auch das zehnjährige Jubiläum dieses Kreativangebotes. Grund genug, eine kleine Rückschau zu halten.

Dabei muss festgestellt werden, dass zwei Personen ganz wesentlich waren für das Entstehen des einstigen Zeichenkurses, aus dem nahtlos die Gruppe FarbMagie erwuchs: Manfred Kissenberth, der heute noch die wöchentlichen Treffen anleitet, und Hans Remsberger, einstiger Projektleiter des Caritas-Treffpunktes Café fArbe, in dem wir uns heute zur Vernissage versammelt haben. Hans kann heute nicht hier sein, hat mir aber einige Zeilen zugesandt, die ich nicht vorenthalten möchte:

Liebe fArb-Magiere! Der „Singende Stadtführer“ hatte – oder hatte auch nichts – Magisches an sich. Aber er wies unbewusst den Weg über Crêpes, Café fArbe und Zeichenkurs hin zu Euch. Willy Herth lud mich, ich meine zu erinnern schon in 2007, zu einem Crêpes-Frühstück ein. Beim „Wortverwerter“ am Fuße der Treppe zur Mildenburg traf ich zum ersten Mal an diesem Sonntag auf Manfred. Wir kamen ins Gespräch und teilten schnell Interessen und die gebotenen Crêpes. Letztere bescherten uns quasi einen magischen, weil heißen, abwechslungsreichen Gaumengenuss und Gedankenaustausch.

Zu einem „Kunstgenuss“ konnte ich Dich [gemeint ist Manfred Kissenberth] kurz darauf ins Café fifty entführen. Irgendwann kamst Du dann mit der Überlegung, einen Zeichenkurs, nicht nur für die Café-fArbe-Klientel, zu gestalten. Neuland für Dich und für die Caritas. Danke für Deinen Mut. Es hat sich gelohnt.

Nun wünsche ich eine stilvolle Vernissage mit viel Freude und Genuss an Euren Exponaten.
Mit Magie
harem

Soweit diese Zeilen. Und harem ist hier nicht der orientalische Frauenwohnbereich, sondern die Abkürzung für Hans Remsberger, ein Akronym, eigentlich ein Apronym, das ihm auch als Künstlername dient.

Fassen wir es nochmal in profaneren Worten kurz zusammen: Im Jahr 2007 trafen sich Hans Remsberger und Manfred Kissenberth auf Einladung des inzwischen verstorbenen Sängers Willy Herth bei einem Literaten, der damals in Miltenberg lebte. Es gab französische Pfannkuchen und die Geburt der Idee, im damals gerade eingerichteten Caritas-Treffpunkt Café fArbe einen Zeichenkurs zu installieren.

Heute, zehn Jahre später, können wir festhalten: Die Eierkuchen von damals sind längst verdaut, der Zeichenkurs aber hat sich zur Künstlergruppe gemausert, die auch mit verschiedenen Ausstellungen ein bereichernder Teil der Kunstszene in einer Kreisstadt wurde, die sonst im Ruf steht, in schier phobischer Abwehr fast nur die Blasmusik als Kunst gelten zu lassen. Das herausragende Museum auf der Burg kann da auch nicht retten, was gerettet werden müsste, zumal es jährlich nur sieben Monate geöffnet ist. Schon als Nicht-Blasmusiker sage ich: FarbMagie – bitte noch weitere 10 Jahre – und mehr!
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Der wirksamste Nazifilm

Widmung für Norbert Nimmrichter

Wieder einmal kam ein Buch in mein Eigentum. Das ist grundsätzlich nichts Absonderliches. Hier aber gibt es Besonderes. Der Reihe nach:

Im Jahr 2013 half der damalige Hausmeister des Museum.Burg.Miltenberg dem Künstler Thomas Lange (wohl bei der Einrichtung von dessen Einzelausstellung in besagtem Museum). Dafür schenkte der Künstler dem Handwerker einen Bildband mit einer Widmung, die auch den Satz beinhaltet „Niemals ohne Schraubenzieher!“ Die dazugehörende Zeichnung (Kugelschreiber und vermutlich Tee oder Kaffee als Farbe!) zeigt neben einem Gesicht und einem Kreuz (die Ausstellung hieß Via Crucis) auch besagten Schraubendreher.

Leider ist Norbert Nimmrichter, dem ich immer wieder bei oft künstlerischen Anlässen begegnet bin, bereits verstorben, viel zu früh. Aus seinem Nachlass ging dieser von Thomas Lange geschenkte und mit Widmung versehene Bildband durch Norberts Frau an Fred K, der nicht nur Künstler, sondern auch Nachbar der Nimmrichters ist. Dieser aber war der Meinung, dass ein Bildband über Thomas Lange bei mir besser aufgehoben wäre. Ich danke also Frau Nimmrichter sowie Fred K – und selbstverständlich auch Thomas Lange und Norbert für diese nette Geschichte über den Weg eines Buches bis zu mir!

Und an Norbert Nimmrichter seien alle, die ihn kannten, hier nochmal ausdrücklich erinnert.

Ecce Homo

Reiche sind emotional verarmt

In dem Buch, das ich gerade lese und in dem es um Beziehungen und ihre Bedeutung für gesellschaftliche Veränderungen geht, steht ein interessanter und zugleich aufschlussreicher aber auch fürchterlicher (weil zutreffender) Satz:

Verschiedene Experimente konnten nicht nur zeigen, dass Menschen umso weniger bereit sind, Hilfsbedürftige zu unterstützen, je reicher sie sind, schneller hupen und umso seltener an Zebrastreifen halten, je mehr ihre Autos kosten, sondern auch, dass sie mit zunehmendem Vermögen immer weniger in der Lage sind, die emotionalen Gesichtsausdrücke ihrer Mitmenschen zu lesen.

Bini Adamczak, Beziehungsweise Revolution, edition suhrkamp 2017, S. 254

Herbst

Heute den Feiertag in seiner Bedeutung genommen und auf den Friedhof gegangen. Geweint.

Und dann Yohazid gehört. Will ich euch nicht vorenthalten.