Archiv für März 2017

Germanys Top-Ekel: Heidi Klum

Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nationale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.

Roger Willemsen über Heidi Klum

Für die Bürgerinnen und Bürger statt für den Tourismus


Die Band KBF REVOLTE im Jugendzentrum Miltenberg

Kommentar zu einem Beitrag, der bei facebook und dann bei kunst.blogsport.de erschien.

Mit diesen Zeilen möchte ich dem obigen Beitrag nicht grundsätzlich widersprechen. Im Gegenteil: Es ist darin viel Richtiges angesprochen. Ich möchte dieses nur ergänzen.

Ob „Miltenberg das dort geplante Stadtarchiv, Museumsdepot und Jugendzentrum in dieser Form sowie Ausmaß wirklich braucht“, das darf angezweifelt werden. Aber: Miltenberg braucht ein Depot, wohl auch ein Archiv und braucht auch mehr an Jugendzentrum als bisher.

Aber der Reihe nach:
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Aus dem Vergangenen zum Licht

Aus dem Vergangenen zum Licht
2017
Acrylfarbe und Tusche auf Leinwald
30 × 100 cm
für MALi
Text:
ICH
MICH
MIR

Vorausgegangen waren zwei Skizzen, von denen die zweite durch MALi für die Umsetzung ausgewählt wurde. Die Skizzen:
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Ich weiß, was du am Sonntag gemacht hast …

Na und? Kann doch jede/r wissen: Ich war beim Menschwerk!

… der menschlichen Gesellschaft gefährlich

Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. […] und es wird ein Dekret erlassen, daß, wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird; daß, wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist; daß jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird.

Georg Büchner (1813 – 1837: Leonce und Lena, hier zitiert nach: Peter-Paul Zahl: Die Glücklichen. Schelmenroman. Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 153

Berechtigte Frage

Die Nachtlager

von Bert Brecht

Ich höre, dass in New York
An der Ecke der 26. Straße und des Broadway
Während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
Und den Obdachlosen, die sich ansammeln
Durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.
Die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
Aber einige Männer haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.
Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.
Einige Menschen haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
Aber die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.

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Ein Gedicht von Brecht ist gut. Viele Gedichte von Brecht sind viel besser. Daher: Gehe zur Buchhändlerin Deines Vertrauens, kaufe Die Gedichte in einem Band von Bert Brecht (ca. 1.400 Seiten, die Dich immer wieder begeistern werden) & werde glücklich!
Stimmt: Dies ist eine Werbung. Für die ich aber nichts bezahlt bekomme.

Bild oben: Zitat aus dem Manifest, das auch Bert Brecht schätzte, Mapec 2015 (Ausstellung im STERN)

Was ich am Sonntag gemacht habe …

… kann hier nachgelesen werden.

Brot & Rosen

Wenn schon „auf das Gemüt“ gesungen wird, dann soll es wenigsten gut sein. Nicht für eine falsche Sache wie Nation oder Heldentum, sondern für das Richtige, für Befreiung, Selbstermächtigung und Schönheit, für Freiheit und Glück (wie Peter Paul Zahl sagen würde, lebte er noch unter uns). Demnach wäre so ein „auf das Gemüt“ gesungener zumutbarer Beitrag das schon nicht mehr ganz neue Bread and Roses, hier in einer wirklich wunderbar das Gefühl angehenden Fassung!

Traut euch, weich und verwundbar, kitschig und sentimental zu sein. Aber Sentimentalität bitte niemals in einer Sache, die eure Sehnsucht nach dem Gefühl nur ausnutzt! Und vergrabt euch nie darin, das wäre lähmend und grausam. Aber ab und zu gehört auch dieses schöne aktionslose Fühlen um Menschsein. Denn es muss mehr als alles geben!

Akzentsetzungen – Kunst und Sakralräume

Wenn eine Veranstaltung im Titel den Begriff Frömmigkeit trägt, dann sind Missverständnisse naheliegend. Selbst dann, wenn die ganze Überschrift „Akzentsetzungen zur Wahrnehmung von Geschichte, Kunst und Frömmigkeit“ lautet. Dies aber war der Titel eines Vortrages von Dr. Jürgen Lenssen im März 2017 in Miltenberg. Die möglichen Missverständnisse konnten dabei sicherlich aufgeklärt werden.

Den Würzburger Domkapitular, Kunsthistoriker, Künstler und weithin bekannten Kirchen-Gestalter verbindet viel mit der Stadt am Untermain. Hier hat er nicht nur – zusammen mit dem damaligen Stadtpfarrer Ulrich Boom – die Kirche St. Jakobus der Ältere renovieren können, hier befindet sich auch der Großteil seiner Kunstsammlung, die die Basis des Museum.Burg.Miltenberg bildet. Auch hier bewies er überaus großes Geschick bei der Erstellung und Umsetzung dieses in seiner Art sicher einmaligen Ausstellungskonzeptes. Dass dann nur rund 30 Interessierte seinem Vortrag lauschten, mag wieder einmal als Beweis gelten, wie wenig die Miltenberger und Miltenbergerinnen begriffen haben, was ihnen da auf der Burg geschenkt wurde.

Im Folgenden werden die Ausführungen, die Dr. Lenssen bei seinem Vortrag in Miltenberg machte, zusammengefasst. Es bleibt dabei nicht aus, dass auch eigene Interpretationen des von Dr. Lenssen Gesagten einfließen können, wenngleich ich mich bemühen werde, die Gedanken des Domkapitulars korrekt wiederzugeben. Dies verlangt schon meine große Anerkennung ihm gegenüber. Mögliche Ergänzungen können gerne als Kommentare angefügt werden.
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