Archiv für Januar 2016

Yohazid bringt Helligkeit ins dunkle Land

Alle seine zahlreichen bisher veröffentlichten Alben sind gut, viele sehr gut. Jetzt hat er wieder so eines gemacht, ein sehr gutes. Gemeint ist Yohazid, der Multi-Musiker aus Frankfurt am Main, dem weder Rap noch Experimental, weder Heavy Metal oder Rock noch Blues fremd sind, weder Liedermacherei noch … na, was ist das nun? Volksmusik wohl nicht, also nennen wir es mal „traditionelle deutschsprachige Lieder“, um dem untauglichen Begriff entkommen zu könne, ist diese „deutsche Volksmusik“ doch für alle Zeiten verbrannt. Zuerst wurden diese Lieder durch „braune Horden totgeschrien, Stiefel in den Dreck gestampft“ ( F. J. Degenhardt), dann kam die Kulturindustrie und machte aus „Volksmusik“ eine eklig-klebrige Unterabteilung des Schlagers, der auch sonst nach dem Krieg in Deutschland besonders übel und minderwertig wurde, nachdem sich das Fehlen jüdischer Komponisten und Texter merkbar machte und die zwölf toten Jahre der Kultur auch hier zur Verelendung der Kunst führten.
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Beste Unterhaltung: Kunstmuseum und Comedy-Rockmusik

Wie das Leben so spielt: Da unterhalten wir uns auf der Fahrt nach Würzburg noch über den netten Andreas aus Aschaffenburg – und schon treffen wir ihn kurz später im Museum am Dom in der Unterfranken-Metropole (soweit Würzburg eine derartige Zuschreibung verdient hat). Dort zeigte er sich – wie auch ich – ganz fasziniert von der Trinitäts-Symbolik in der Sonderausstellung mit Werken von Albert Schilling (die über die angekündigte Verlängerung hinaus noch immer zu sehen war).
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Rück- und Ausblick

Ein persönlicher Rückblick auf das vergangene Jahr und ein Ausblick auf Kommendes mag im Januar üblich sein, so auch bei mir. Das Ergebnis dieser Überlegungen hat allerdings auf diesem Blog nichts zu suchen. Anders sieht es beim künstlerischen Rückblick aus. Und dieser fällt für jemanden, der die Kunst nicht professionell betreiben kann (bzw. nicht betreiben muss), recht positiv aus: (mehr…)

Das schönste WC am Untermain

Gestern mit Hannes und Andreas, Steffen und vielen anderen im Stern in Aschaffenburg – ja, ganau da, wo ich auch schon ausgestellt habe. Diesmal ging es aber weniger um Kunst, mehr um die Möglichkeiten, positiv auf die Gesellschaft einzuwirken, quasi um Politik – oder besser um Anderepolitik. Es sprach und diskutierte mit den rund 20 Anwesenden Thomas Seibert, der bei medico international arbeitet und bei der Interventionistischen Linken aktiv ist. Der höchst anregende Vortrag wurde aufgezeichnet und ist demnächst im Internet anzuhören.

Und das Foto oben? Das ist das WC im Stern. Und das wollte ich nicht vorenthalten, ist es doch ein derart interessanter Ort, dass selbst das Urinieren zum Genuss wird!

Bilder der Erinnerung

Neu bei Yohazid. Bei 1:28/1:30 sind zwei Herren in einer Zeitung zu sehen – anlässlich eines gemeinsamen Auftritts. Bitte beachten.

Mit ähnlicher Idee wie hier Yohazid (wenn auch musikalisch längst nicht so überzeugend wie nun bei ihm!) habe ich bereits das Cut-up-Video zu seinen Ehren gemacht:

Broschüre: Tatort Miltenberg – Nichts ist vergessen

Tatort Miltenberg – Nichts ist vergessen, Betrachtungen zur Geschichte einer kleinstädtischen jüdischen Gemeinde im NS-Regime, Im Anhang: Anmerkungen zu Fragen der Erinne­rung & „Das wären wirklich Steine, über die viele stolpern müssten“

Aus einigen bereits veröffentlichten Beiträgen und Bildern (zuzüglich eigens aufgenommene Fotos und kleinere verbindende Textteile) habe ich eine Broschüre mit obigem Titel erstellt, die sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Miltenbergs in ihren letzten Jahren beschäftigt sowie mit dem Erinnern an das damals Geschehene.

Diese Broschüre hat 36 Seiten Umfang im Format 29,7 x 21 cm. Sie kann als PDF (2,4 MB) bei mir per Email kostenfrei angefordert werden. Das heißt: Lediglich eine Email an mapec@gmx.de mit einer kurzen Bitte um Zusendung muss aufgewandt werden, schon erhält man diese Broschüre als Datei zugesandt.

Ich danke an dieser Stelle ganz herzlich Martina und Andreas, die bei der Idee und als kritische Leserin bzw. Leser zur endgültigen Form der Broschüre beigetragen haben.

Alte Meister und junge Kunst

Das Jahr geht gut los. Gleich am Dreikönigstag nach Frankfurt ins Städelmuseum. Diesmal nahmen wir uns die alten Meister vor. Meisterinnen konnte ich keine entdecken. Denn die beachtliche Sammlung höchst interessanter und zu guten Gesprächen anregender Kunst aus dem 18., 17., 16., 15. … Jahrhundert wurde wohl (fast) ausschließlich von Männern erstellt. Sie waren es, die Gott und den weltlichen Herren Buntes für Kirchen und Schlösser malen durften.

Das änderte sich im Untergeschoss bei der Kunst der Gegenwart. Hier sind – wenn auch nicht paritätisch – auch Frauen vertreten. Es hat sich doch etwas geändert.

Anmerkungen zu Fragen der Erinnerung

Rede gehalten im November 2012 in Miltenberg

Nach meinem Beitrag bei der Veranstaltung zum 9. November 2011 in Miltenberg erhielt ich mehrere Reaktionen, die mich veranlassten, einigen Fragen nachzugehen. Dies möchte ich im folgenden tun.

Frage 1: Können wir den antifaschistischen Zeitzeugen trauen?

Ich selbst habe bei der Veranstaltung im letzten Jahr erwähnt, dass ich nicht alle Angaben des zitierten Zeitzeugen für die Ereignisse am 9. und 10. November 1938 in Miltenberg für historisch nachvollziehbar halte. Es war aber der einzige Bericht, der eine Stimmung dieser Ereignisse wiedergibt. Als solcher wurde er verlesen. Auch historischen Zeitzeugen gegen das Naziregime muss ich zugestehen, dass sie nicht unfehlbar sind; dennoch finde ich in ihren Aussagen immer wieder hochgradige Übereinstimmung zur wissenschaftlichen Forschung, spüre ich bei ihnen jene Wärme, Selbstreflexion und Solidarität, die wir in den Originaldokumenten der damals Herrschenden so schmerzlich vermissen.
Für viel problematischer halte ich die Zeitzeugenberichte der in einschlägigen Publikationen so genannten „Erlebnisgeneration“, also derjenigen, die ein sehr starkes Interesse hatten und – soweit sie noch leben – auch heute noch haben, die Gräuel nicht wie Gräuel, den Terror nicht wie Terror und die eigene Schuld nicht wie Schuld aussehen zu lassen.
Wir aber können für unser Gedenken nur die Ergebnisse der historischen Forschung heranziehen – und die Zeitzeugen, die nicht den Tätergeruch verströmen.
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Adorno singt …

… doch nicht. Sondern Yohazid.
Aber dies ist trotzdem ein Lied über das Falsche, die Negation, die Verwerfungen der Kulturindustrie, die Abwesenheit der Hoffnung (sonst wäre es ja Ernst Bloch oder zumindest Herbert Marcuse) und so weiter. Ja, der Yohazid ist schon ein Brachial-Philosoph aus Frankfurt (nach der Frankfurter Schule [Kritische Theorie: Adorno etc.] und der Neuen Frankfurter Schule [Satire: Pardon, Titanic …] nun also die Allerneuste Frankfurter Schule?).

Wie dem auch sei: Ich wünsche Euch allen dennoch ein gutes 2016! Und ich wünsche das gegen jede Zuversicht – aber mit Hoffnung (ja, ich finde Bloch anregender als Adorno, gebe ich gerne zu).