Archiv für Juni 2015

Werner R. und die Wichtigkeit realer Begegnungen

Nach längerer Zeit war ich mal wieder mit Werner R. im Museum, wieder in jenem in der Mildenburg. Im Zentrum diesmal die Werkschau Renate Anger, die dort nur noch wenige Tage zu sehen ist. Gute Gespräche! Und wieder etwas über Kunst gelernt.

Danach ging es ins Straßencafé, wo sich auch Jana und Hannes dazu gesellten.

Ach ja, Werner R. bekam zum Geburtstag diesmal Acrylfarben, Pinsel und Leinwände auf Malkarton, ein heftiger Wink mit dem Zaunpfahl, eine Aufforderung, der Welt zu geben, was diese braucht: kuriose Malerei, für die er allemal gut ist.

Aber ist dies wirklich einen Blogeintrag wert? Ja, denn wieder einmal wurde mir sehr bewusst, wie wichtig reale Gespräche sind, die nie von virtuellen Kontakten ersetzt werden können. Und diese Erkenntnis ist es allemal wert, veröffentlicht zu werden.

Plakat: Europa tötet

Aus aktuellem Anlass mal wieder ein Plakat, das auch eine erläuternde Rückseite hat. Anklicken und ansehen (PDF):

Das Plakat darf zur unkommerziellen Nutzung gerne verwendet werden.
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Aktionskunst: Zentrum für politische Schönheit

Das regionale Blog kommunal macht auf eine Aktion in Aschaffenburg aufmerksam, die sich auf die Aktionskunst des Zentrums für politische Schönheit bezieht, eine erfrischend direkte Kunstauffassung, die sich auf die AgitProp-Kunst der zwanziger Jahre beziehen könnte (die wiederum heute zu Unrecht nur noch als kommunistisches Gedöns verstanden wird, nicht als eigenständige Form der kreativen Gesellschaftskritik).

Zur Aktion des Zentrums:

Schrift-Bild: Entstehung des neuen Tages

Entstehung des neuen Tages
2015
Mischtechnik auf Wellpappe und Faserplatte, ca. 60 × 50 cm

Geschenk für Andreas Georg Soth

Text:
Der Intellekt traf die Emotion und sie gebaren das Bewusstsein.
für Andreas G. S.

Imperativer Harndrang

Gestern mal wieder im „Riesen“ gewesen. Und mal wieder auf Manfred und Ossi getroffen, später kam noch Bernhard dazu. Gute Gespräche über ein zu planendes Konzert im Herbst, die Problematik, eine mehrschichtige und damit anspruchsvolle Performance hier im Landkreis aufzuführen, Jam Sessions und vieles mehr. Dazu die Absprache zu einem gemeinsamen Museumsbesuch (Burg Miltenberg) im Juli.

Dennoch würde das alles nicht diesen Blog-Eintrag rechtfertigen, hätte Manfred nicht einen neuen Terminus in die Medizinsprache eingeführt: den imperativen Harndrang. Männer über 50 wissen, wovon hier die Rede ist. Und alle haben nun einen hervorragenden Begriff für den Umstand, dass zwischen Kneipentischen und Toilette ein steter Wanderungsprozess von meist männlichen Kneipengästen stattfindet. Manfred sei dank!

„Nur noch trockene Nudeln zum Mittag“ – Interview mit TRASHRAVE-RECORDS

trashrave records ist das ultimative Möchtegern-Label für Electro & Punk und das aus dem Herzen der Langeweile: Miltenberg.“
Oder:
„Bei der ersten CD ist das noch lustig, sie besoffen zu verschenken. Später fragt man sich, wenn es nur noch trockene Nudeln zum Mittag gibt, wo eigentlich die ganze Kohle hingekommen ist. “
Und:
„Ich würde uns mittlerweile nicht mehr unbedingt als linkes Projekt sehen, sondern viel mehr als etwas, das politisch links wird bzw. bleibt, weil politische Menschen dahinter stecken. Und wir haben alle so unsere Baustellen, wo wir aktiv sind.“

Bei kommunal erschien ein Interview mit Hannes vom Label trashrave records. Ich durfe etwas mithelfen bei den Fragen und der endgültigen Durchsicht des Ergebnisses – und präsentiere daher voller Stolz den Link zu diesem Beitrag.

Ausstellung „Manifestationen“

Aus der Vorankündigung: Ermöglichen aus einem Text herausgelöste einzelne Sätze eine neue Interpretation, gar eine Aktualisierung? Regen sie das selbstständige Weiterdenken an? Sind angeblich historisch verbrauchte Sätze neu zu denken? Oder sind sie überhaupt nicht verbraucht, sondern hoch aktuell? Kann bei diesen Sätzen, wenn sie mit Malerei kombiniert werden, ein emotionalerer Zugang ermöglicht werden? Der Künstler Mapec hat sich diese Fragen gestellt und dann speziell für den „Stern“ Schrift-Bilder geschaffen, in denen er Zitate aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ von Karl Marx und Friedrich Engels mit eigener Malerei verbindet. Das besondere: Die Gäste des „Stern“ sind ausdrücklich aufgefordert, diese Schrift-Bilder zu beschreiben und zu bemalen.

Die Vernissage fand statt am Donnerstag, 23. Juli 2015 im „Stern“, Aschaffenburg; einführende Worte sprach Dr. Ulrich Pordesch (Darmstadt), als musikalische Zwischenstücke wurden Sound-Schnipsel aus Mapec-Videos eingeblendet. Die Ausstellung war zu den „Stern“-Öffnungszeiten bis zum 9. Oktober zu sehen.

Faltblatt zur Ausstellung (PDF): Manifestationen – Schrift-Bilder im „Stern“

Dokumentation der Schrift-Bilder (s. dazu auch weiter unten):

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Unterwegs mit Martina – Teil 5 – Münsterschwarzach und so weiter

Auf jeden weiteren Ort unserer kleinen Rundreise kann ich nicht weiter eingehen. Standort war dabei – wie im Teil 1 schon geschrieben – das Kloster Münsterschwarzach, von wo aus wir die Gegend besuchten. Einige kleine Fotos mögen diese Berichte abrunden. Von links oben beginnend, dann im Uhrzeigesinn: Die Goldwand in der Augustiner-Kirche, die Gemälde (hier ein Ausschnitt eines Bildes von Ben Willikens) im Neumünster, ein seltsamer Aufkleber mit Krusty (alles in Würzburg), die in die Landschaft gestellten roten Rahmen in Münsterschwarzach, sehr gut gestaltete Glasfenster im Gästehaus der dortigen Abtei, die so sympathisch blickende Madonna auf dem Schwanberg, die Glasfenster von Polykarp Uehlein in der Krypta der Abteikirche Münsterschwarzach – und in der Mitte Bratwürste mit Kraut im Biergarten in Miltenberg (keine Kunst, aber beachtliches Koch-Handwerk).

Uns wurde klar, warum die neo-romanische Abteikirche genau so sein musste, kraftvoll, wie ein Kraftklotz in der Landschaft (bis zu 52 Metern hoch, 88 Meter lang), aus massivem Stein gebildet: Sie wurde als größter während der NS-Zeit in Deutschland errichtete Kirchenbau von 1935 bis 1938 erstellt und 1938 geweiht, war also Kampfansage an die Nazis, die dies auch verstanden und die Abtei 1941 schlossen. Die Befreiung vom deutschen Faschismus war auch die Befreiung der Abtei, die seither wieder genutzt werden kann und heute rund 125 Mönche (davon ca. 35 im Ausland) umfasst.

So, das war es, das Unterwegssein mit Martina. Für diesmal.

Unterwegs mit Martina – Teil 4 – Dom-Museum Würzburg

Ein 1904 geborener Bildhauer – kann der uns etwas zu sagen haben? Martina und ich waren skeptisch. Letztendlich hat die Neugier gesiegt und wir gingen in die Ausstellung mit Werken von Albert Schilling im Museum am Dom in Würzburg. Wir haben es nicht bereut. Denn der 1987 verstorbene Künstler, dessen Nachkommen nun der Kunstsammlung des Bistums Würzburg zahlreiche Exponate aus der Hinterlassenschaft übereigneten, war mit einer Gabe gesegnet, dem Stein – und sei es der so genannte kalte Marmor – ausdrucksstarke Gebilde zu entreißen (und konnte auch mit anderen Materialien umgehen). Zitat Albert Schilling zur Frage, was ein Bildhauer zu tun hat: „Er hat nicht die Dinge vor allem ‚schön‘ zu machen, sie zu ‚verzieren´, sondern er hat sie von ihrem Wesen her zu realisieren.“ Wir behaupten mal: Das ist ihm gelungen!

- Fortsetzung folgt -

Unterwegs mit Martina – Teil 3 – Rödelsee

Mit Sepulkralkultur habe ich mich schon in einer Impression über den Friedhof an der Laurentius-Kirche in Miltenberg beschäftigt. Bei unserem spirituell-kunsterlebenden Kurzurlaub waren Martina und ich auch am jüdischen Friedhof in Rödelsee, der historisch deutlich bedeutender ist als die christliche Begräbnisstätte in Miltenberg. Mehrfach geschändet und teils zerstört, mussten Nazitäter ihn 1945 nach der Kapitulation Deutschlands wieder in Stand setzen.

Auch von der künstlerischen Seite her beeindruckten uns zahlreiche Grabdenkmale, zumal die Umstände der Zeit (Verwitterung, Anhaftungen von Mosen etc.) ihnen oft ein ganz eigenes und ehrwürdiges Erscheinen geben.

Ein ganz besonderer „Gag“ gibt es auf dem nahe gelegenen Schwanberg, wo eine Karte der Gegend präsentiert wird, in der auch der jüdische Friedhof Rödelsee eingezeichnet ist. Kaum zu glauben, er wird mit christlichen Kreuzen symbolisiert. Nur eine Gedankenlosigkeit?

Und warum ein jüdischer Friedhof noch immer „Judenfriedhof“ heißen darf, das bleibt vollkommen schleierhaft. Schließlich würde auch niemand von einem „Christenfriedhof“ oder „Atheistenfriedhof“ sprechen.

Übrigens: Auch auf der Seite der Stadt Miltenberg heißt es: „Wie das Judenbad so erinnern auch der Judenfriedhof und die alte Synagoge an die jüdischen Miltenberger Bürger.“ Schön, dass auf dem Christenfriedhof der christlichen Mitbürger erinnert wird und im Atheistenbad an die ungläubigen Miltenbergerinnen und Miltenberger …

- Fortsetzung folgt -