Archiv für November 2014

Ossi H., Manfred K. und der „Riesen“

Gestern im „Riesen“, einem Gasthaus, das es schafft, weit älter zu sein als die drei Menschen zusammen, von denen jetzt die Rede sein wird. Der eine bin ich, der andere ist Miltenbergs Künstler-Original Ossi Hülbig, der dritte Manfred Kissenberth (Foto unten), Architekt, Maler und Initiator der Gruppe FarbMagie, mit der er immer wieder neue Leute für die aktive Kunst interessieren kann.

Wir saßen da bei Bierspezialitäten mit so hübschen Namen wie Riesen-Spezial oder Schwarzviertler und diskutierten, analysierten, debattierten oder transpirierten. Zwei Themen scheinen mir besonders des Erwähnens wert: Im kommenden Jahr soll nach langer Zeit wieder eine Einzelausstellung von Ossi Hülbig stattfinden, der seine Miltenberger Motive präsentieren möchte; und dem 1976 verstorbenen Maler Jakob Fischer-Rhein könnte doch zu seinem 40. Todestag im Jahr 2016 eine besondere Würdigung posthum zu Teil werden, war er doch DER Maler der Nachkriegszeit (bis eben zu seinem Tod) in jenem beschaulichen Kleinstädtchen, das er sich ganz ohne Zwang zur Wohnstätte auserkoren hatte, jener Kleinstadt, in der auch wir leben, der Ossi, der Manfred und ich.

Es sei versprochen, dass ich mich darum kümmern werde, meinen Teil an der Realisation dieser Vorhaben zu leisten. Und ich werde auch rechtzeitig darüber informieren.

Manfred Kissenberth

Manfred Kissenberth vor seinen Bildern bei einer Einzelausstellung im Franziskushaus, Miltenberg

Schrift-Bild: Opfer des deutschen Wahns

Dokumentation

Schriftbild, zweimal 200 × 70 cm
zu sehen vom 9. bis 21. November 2014 am Alten jüdischen Friedhof in Miltenberg

Sinfonia senza precedenti?

Yohazid legt mit GETSEMANI – SEELENHEIL eine vermutlich neuartige musikalische Kategorie vor

Eigentlich, so gab er bekannt, wollte er nur „alle Stücke des Getsemani-Projekts zu einem Album“ zusammenfassen. Dieses Getsemani-Projekt ist so etwas wie Yohazids (das ist Johannes Giesemann) Solo-Experimental-Unternehmung. Ein Album ist das allerdings nicht wirklich, was er mit diesem auf Youtube gestellten Beitrag nun vorlegte. Denn das hätte so etwas wie abgrenzbare Einzeltitel verlangt, die schließlich auch dem Ganzen zugrunde liegen.
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Vernissage im Museum am Dom, Würzburg

Am Montag ins Museum? Eigentlich sind die da immer geschlossen. Wenn aber eine Vernissage ansteht, dann geht das. So vorgestern im Museum am Dom, Würzburg, Winfried Muthesius stellt aus; und in zwei Beiträgen von Dr. Jürgen Lenssen und Prof. Dr. Raimund Wünsche wurde dessen Werk erläutert, wurden Anmerkungen gemacht, die sonst schlecht oder gar nicht zu erhalten gewesen wären. Es lohnte sich für DIE Mapec und mich, zumal wir zuvor mal wieder Dom, Neumünster und Augustinerkirche besucht hatten, jene Würzburger Kirchen, die (vor allem dank Jürgen Lenssen) so hervorragend neu und mit viel hochqualitativer Kunst gestaltet sind. Es rentierte sich zudem, da wir uns auch kulinarisch ergötzt hatten – im „Kaschmir“ bei indisch-pakistanischem Buffet.

Bei der Vernissage trafen wir Jutta Winterheld, die Malerin aus Miltenberg (oberes Foto, etwa Bildmitte), und Josef Speth, den Bildhauer aus Schneeberg/Unterfranken (links daneben). Zwar treffen wir beide immer wieder, es ergeben sich aber auch immer wieder gute Gespräche.

Wie aber der Diözesan-Kunstexperte Lenssen so treffend anmerkte: Die Werke von Winfried Muthesius funktionieren nicht bei einer Menschenansammlung, sie sollten alleine betrachtet und die Wirkung damit wirklich aufgenommen werden. Daher: DIE Mapec und ich sind demnächst nochmal in Würzburg, die Bilder wirken lassen!

Impressionen zur Sepulkralkultur

Auf dem Friedhof an der Laurentius-Kapelle Miltenberg habe ich in diesem Jahr einige Fotos gemacht. Daraus – und aus Musik von Yohazid – entstand dieser Beitrag zur Betrachtung unserer Kultur des Umgangs mit dem Tod. Ein – wie ich meine – wichtiges Thema, das hier aber nicht intensiv behandelt wird; vielmehr soll einmal mehr ein Denkanstoß in Richtung der Beschäftigung mit der eigenen Endlichkeit gegeben werden. Daher auch das Zitat am Ende des Videoclips.

Es handelt sich also nicht um eine künstlerische, sondern um eine Art journalistische Auseinandersetzung mit der Welt – bzw. ihrem persönlichen irdischen Ende. Und mit der alten Frage: Was kommt danach?

Kunst zeigt auf

Kommentar geschrieben für FRANZ – Veranstaltungsinfo für Franziskushaus und Caritas MIL, Nov./Dez. 2014

Bild: Kunst – hier gezeichnete Widmungen von Thomas Lange und Mutsuo Hirano in ihren Bildbänden

In diesem nun ablaufenden Jahr 2014, das gekennzeichnet war von Ebola-Epedemie in verarmten Staaten und IS-Terror in Kurdistan, von offenkundigem Versagen der Datensicherheit (nicht nur durch die NSA) und der Sicherheitsbehörden (Verfassungsschutz lässt Nazi-Terror gewähren) und so weiter – in diesen Zeiten sich mit Kunst zu beschäftigen scheint fast zynisch. Wir sollten es trotzdem tun. Oder gerade deshalb: Um zu zeigen, dass es Anderes gibt, dass der Mensch das Recht auf Ganzheit und Sicherheit, auf Geborgenheit und Zufriedenheit, auf Aufregendes und Schönes hat, also auch und insbesondere auf Kunst. Und genau daher ist es eben nicht zynisch, gerade heute Kunst zu verlangen.

Dass all diese genannten positiven Möglichkeiten – und nicht Terror und Unsicherheit, unnötiges Siechtum und Überwachung – das ausmachen, was als menschlich zu werten ist, das dürfen wir voraussetzen. Der Humanismus und das ihm voraus gehende Christentum haben es uns gelehrt, trotz aller Verwerfungen und Gräuel, mit denen die hohen Ziele immer wieder negiert wurden.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ sagte Paul Klee, der von den Nazis zum „Entarteten Künstler“ geadelte Maler. Auf dass sie also sichtbar mache, die Kunst, was hier und heute fehlt oder bis zur Unkenntlichkeit besudelt ist.