Archiv für November 2012

Einstürzende Altbauten

Woh­nen habe etwas mit dem alt­hoch­deut­schen Be­griff wonên (für „zu­frie­den sein“, „woh­nen“, „sein“, „blei­ben“) zu tun. Damit, so er­gibt ein Blick in Wi­ki­pe­dia, käme das Woh­nen sehr nahe an den Be­griff der Hei­mat heran. Das ist mir ein­leuch­tend. Zudem halte ich den Bau von Häu­sern und das Woh­nen darin für eine der ganz gro­ßen kul­tu­rel­len Leis­tun­gen der Mensch­heit. Zwar bauen be­reits be­stimm­te Tiere Nes­ter und Bau­ten, diese kom­men aber ganz und gar nicht an das heran, was wir Woh­nen nen­nen.

So beginnt mein Beitrag zum Thema Wohnen, der auf der regionalen Plattform kommunal veröffentlicht ist, da er sich exemplarisch mit der Kleinstadt Miltenberg beschäftigt. Die darin 2010 gemachten Feststellungen bleiben (leider) aktuell.

Es gibt keine Wirtschaftspolitik

Es gibt keine Wirtschaftspolitik. Denn alles, was unter diesen Begriff fällt, ist Sozialpolitik. So wie es auch keine Lohnnebenkosten gibt: Die Zahlungen für und an einen Beschäftigten oder eine Beschäftigte sind Kosten der Ware Arbeitskraft; und wenn sie nicht vom beschäftigenden Betrieb getragen werden (Minderung der „Lohnnebenkosten“), dann müssen dies die Beschäftigten selbst übernehmen, was nichts ist als eine Lohnsenkung.
Sehen wir ab von dem mehr als mißverständlichen Begriff des Arbeitnehmers (er nimmt keine Arbeit – er gibt seine Arbeitskraft!) und kommen zurück zur Sozialpolitik, die als Wirtschaftspolitik einher schreitet. Sie bestimmt nicht unwesentlich über die Rahmenbedingungen in Betrieben und Verwaltungen, über die Verteilung des Reichtums in der Gesellschaft und damit über Bildungschancen, die Beteiligung am kulturellen Leben, über die Güte der einem bestimmten Menschen zur Verfügung stehenden Nahrung, den Zugang zu Genußmitteln, die Wohnverhältnisse, die Möglichkeit zu verreisen und Erholung zu bekommen, die Qualität der Krankenversorgung, letztendlich auch über Hunger und (zu frühen) Tod. Was ist das also anderes als Sozialpolitik?

Fragen der Erinnerung

Mein Redebeitrag in der Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 am 9. November 2012 im Café fArbe, Miltenberg ist hier dokumentiert.



Oben: Im Café fArbe am 9. November 2012

Gute Unterhaltung und ein Lerneffekt

Yohazid (links) und Mapec vor der eigens für die Lesung „Von Gartenzwergen und Dämonen“ geschaffenen Dekoration: die kunstvoll bemalte Rettungsfolie (designed by Mapec).

Letzten Freitag im Miltenberger JUZ. Rund zehn nette Menschen sind gekommen, um die Herren Yohazid und Mapec zu sehen und zu hören. So wurde die Lesung Von Gartenzwergen und Dämonen zur absoluten Insider-Veranstaltung, die Anwesenden bewiesen damit ihren exzellent ausgefallenen Geschmack. Gratulation! (mehr…)

„Kunst kommt von Können“ …

… ist der dümmste Satz der Kunstgeschichte. Handwerk kommt von Können, Kunst kommt – wenn wir sie denn irgendwo herkommen lassen wollen – von Kreativität, von Kommunikation, von Kontemplation, von Kritik. Sage niemand etwas gegen Handwerk. Es ist auch in der Kunst in unterschiedlicher Form immer nötig, aber es macht die Kunst nicht. Schließlich aber gilt es, das alles zu überwinden (siehe Kunst).

Eine viel- wenn nicht allessagende Anmerkung:
„Kunst kommt von Können; wenn sie von Wollen käme, müsste sie Wunst heißen.“ Wie eine Illustrierung zu diesem Wortwitz wirken die ersten Bilder, mit denen sich jetzt in Berlin die Ausstellung „Entartete Kunst“ am Königsplatz 5 den Besuchern präsentiert. Es ist wirklich Wunst, was sich uns hier entgegenwölbt. Und so sinnlos dieses Wort klingt, genau so sinnlos glotzen uns die Kleckerein an, die mit Malerei nur dem Material nach etwas zu tun haben. (Berliner Morgenpost, 25. Februar 1938)