Archiv für Oktober 2012

Genius und Alleinstellung

Genius

Kein Künstler, kein Wissenschaftler, kein Mensch hat den sensationellen Genius, das alleinige Große. Wir leben und arbeiten zwangsläufig im Kollektiv, sind von anderen abhängig, andere von unserem Wirken, schöpfen aus dem vor uns gedachten und gemachten, ob uns das bewußt ist oder nicht. Wir haben lediglich die Freiheit, dies anzuerkennen oder zu leugnen.

Alleinstellung

Das im Markt so wichtige Alleinstellungsmerkmal einer Künstlerin, eines Künstlers ist Hohn (siehe unter „Genius“). Es macht nicht genial, sondern höchstens einsam; der kunstschaffende Mensch wird selbst Ware mit einem verkaufsfördernden Label. Macht ihm einen Scannercode auf die Stirn!

Was ist Heimat? Oder: Antwort auf eine nur scheinbar einfache Frage

Plädoyer für einen konkreten Heimatbegriff

Abstrakt bleibt Heimat immer dann,
wenn sie mit Begriffen wie Vaterland
oder Nation gleichgesetzt wird.
Eine Nation ist eine Ansammlung
von Ländereien, Menschen,
Produktions- und Kulturstätten.
Aber sie ist keine Heimat.

I.
Heimat ist der Ort, an dem noch niemand war, meinte der Philosoph Ernst Bloch.
Heimat ist da, wo die silbernen Tannen rauschen, der Hirsch röhrt und Margot und Maria Hellwig schlechte alte und noch schlechtere neue Lieder trällern. So wollen es wenigstens Heimatfilm und volkstümelnde Hitparade.
Heimat ist da, wo irgendwann einmal Deutsche siedelten. Und diese Heimat muss heim ins Reich. So der erklärte Wille deutscher Revanchisten und Neo-Nazis.
Was also ist dieses ominöse Etwas, das da Heimat heißt? (mehr…)

Zynismus

Was übrig bleibt, wenn notorische Dilettanten die bei Marx und anderen so gepflegte und damals wohl auch noch originelle Polemik nachäffen, das ist jener Zynismus, der das Leben gallig und die Trunksucht naheliegend macht. Nur besoffen hält sich der Zyniker aus, seine Umwelt schon lange nicht mehr; nicht er sie und nicht sie ihn. Das Hundertjahreabonnement der „Titanic“ gibt ihm sein Feierabendvergnügen. Der Debattierzirkel Gleichgesinnter wird ihm zum Familienersatz, wobei dort martialische Auseinandersetzungen häufiger sind als noch in der verklemmtesten Kleinfamilie.
Er, der Zyniker – nicht auch Sie, die Zynikerin? Erfahrungsgemäß ist Zynismus die letzte Männerbastion, der Versuch blöder Kerls, ihre Überlegenheit durch dünkelhaften Unfug zu belegen, intellektueller Machismo.
Abzugrenzen davon sind Satire, Kabarett und Humor. Und die Grenzen zwischen diesen und dem Zynismus sind nicht einmal fließend.

Hippies und Punks

Die Hippies waren die Punks zu einer Zeit, als es noch massenhaft Hoffnung gab. Die Punks waren die Hippies jener Zeit, die nur eine einzige Hoffnung kannte, die auf möglichst schnellen Untergang. Die Hippies waren erheblich bunter. – Ich war nie Hippie und nie Punk. Ich hoffe noch. – Und die Hippies von damals sind heute Sozialpädagogen oder Manager. Und die Punks sind heute Manager oder totgesoffen. – Ich bin kein Sozialpädagoge, kein Manager und auch nicht totgesoffen. Ich habe gewonnen.

Lena Zeitgeist

Morgen kommt das neue Album von Frau Lena Meyer-Landrut in den Handel und kann auch als Download erstanden werden. Eigentlich ist das für dieses Blog keine Nachricht – wenn es nicht die Steilvorlage wäre, um einen älteren Text neu zu publizieren. Denn bereits 2010 hatte ich mich mit dieser Lena beschäftigt. Der Beitrag erschien auf meinem damaligen Blog und wurde von analyse & kritik (Hamburg) nachgedruckt.

Allerspätestens, wenn Deutschland mal wieder den europäischen Eurovision Song Contest gewinnt – und das passiert statistisch nur alle 28 Jahre –, allerspätestens dann muss gefragt werden: warum? (mehr…)

Öhm.

Interview zum Auftritt am 2. November mit Mapec und Yohazid


Bild: Yohazid vor seltsamer Fahne

Warum schreibt Ihr Texte?

Yohazid: Ich schreibe durch eine verhängnisvolle Mischung aus Geltungsdrang, Selbsttherapie und weil ich es als meine Pflicht ansehe sicherzustellen, daß es wenigstens EIN gutes deutschsprachiges Blog gibt.
Mapec: Ich schreibe, weil ich meine Texte der Welt nicht vorenthalten will. Ich schreibe, weil ich meine Texte der Welt zumuten will.
(mehr…)

Denk mal

Der Denkmalschutz ist eine ganz eigene – vermutlich deutsche – Erfindung. Ein imaginierter historischer Zustand, der mit dem konkreten Aussehen der Stadt in der Vergangenheit nichts zu tun hat, wird per Gesetz, Verordnung oder Satzung hergestellt. Angestrebt wird ein möglichst „hübsches“ und historisiertes Aussehen.
Warum? (mehr…)

Wenn Kino einfach nur Kino ist

Gestern mit Martina im Kino. „Wer´s glaubt wird selig“ wird gebracht. Angenehm unterhaltend.

Und heute mache ich den Fehler, mal zu sehen, was andere so über diesen Film denken. Kurz gesagt: Vorhersehbare Lobhudelei und ebenso vorhersehbare vernichtende Kritik. (mehr…)