Archiv für Juni 2012

Stolz auf Deutschland

Über die psycho-logische Offenbarung, die im Stolz auf ein Zwangskollektiv, wie es eine Nationalstaat immer ist, steckt, wurde viel gesagt. Ich möchte daher auf etwas anderes eingehen. Denn wenn es möglich wäre, stolz auf Deutschland zu sein, dann setzte dies eine Lebenserwartung von mehreren hundert Jahren voraus, um alle Regionen dieses Landes ausreichend gut kennenlernen zu können, damit ich mir ein Bild machen kann, ob ich diese mag, ob ich stolz auf das dort anzutreffende bin. Und um alle gut 80 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner kennenzulernen, da bedürfte es einer Lebenserwartung von vermutlich mehr als eintausend Jahren. Erst danach könnte ich wirklich wissen, ob ich nun stolz sein kann auf das Gesamtwirken meiner deutschen Mitmenschen. Ein Staatswesen zu lieben ist also nicht nur der psycho-logische Beweis der eigenen seelischen Deformation, es ist in Wahrheit sogar völlig unmöglich. Wer dennoch auf ein Land solz ist, ja, es gar „liebt“, der oder die unterliegt einem geradezu pathologischen Wahn. Und ab nun lasse man mich bitte mit dem Deutschenstolz in Ruhe.

Kunst

Am 6. Juni schrieb ich unter das Foto einer Wandinschrift (THE „EARTH“ WITHOUT „ART“ IS JUST „EH“) nachfolgenden Text auf meinen Facebook-Account:

Richtig, die Welt ohne Kunst wäre derzeit nur „eh“. Aber: Die Forderung muss sein, die ganze Welt und alle Tätigkeiten zur Kunst zu machen, lustvoll und nicht-entfremdet, selbstbestimmt und kollektiv – oder die Kunst ganz aufzuheben und in allen anderen Tätigkeiten aufgehen zu lassen, was genau auf das Gleiche rauskommen würde. In einer wirklich freien Gesellschaft würde (zumindest fast) alles zur Kunst und alles zur Philosophie, womit Kunst und Philosophie aufgehoben wären.

Dazu gäbe es noch viel zu sagen, ich halte hier nur diesen Gedanken zur weiteren Verwendung fest.