Fünf Stunden

Gestern beim (veganen) Geburtstagsessen für Hannes: Gute Gespräche über Musik allgemein und ganz besonders über Anthrazit (anhand des Mitschnitts des Auftritts vom 19. September; Dank an Anna-Lisa!). Gespräche auch über Literatur (anhand eines neuen Textes von mir) und bildende Kunst (wegen bevorstehender Ausstellung) sowie über nette oder weniger nette Leute und vieles mehr. Ich danke ganz herzlich für das gute Essen und fünf Stunden bester Unterhaltung!

Der Hannes, die Valerie & der Mapec, nicht auf dem Bild: die Jana & die Rebecca

Mapec & JuliKapelle

Auf der Soundcloud-Seite von JuliKapelle:

Provinz in der Stadt – Rumpenheim macht Kunst möglich

Rumpenheim ist ein Stadtteil von Offenbach und sicherlich keiner jener Orte, an denen der Nabel der kunstschaffenden Welt vermutet wird. Umso erstaunlicher, dass in diesem von nur gut 5.000 Seelen bewohnten Teil Offenbachs seit 14 Jahren die Rumpenheimer Kunsttage mit inzwischen 30 Kunst und Kunsthandwerk schaffenden Menschen in 15 Ausstellungsräumlichkeiten stattfinden. Rührige Kunstinteressierte machen dies möglich.

Am gestrigen Sonntag gingen die Rumpenheimer Kunsttage 2014 zu Ende. Mit mir waren Kerstin, Matthias und DIE Mapec dort. Es ergaben sich kurze Gespräche mit Künstlern wie Hannes Metz oder Wilhelm Hardt. Schließlich besuchten wir noch den Auftritt von Wortklang in der Rumpenheimer Schlosskirche, inmitten der raumfüllenden und beeindruckenden Text-Bild-Installation HÖHLENSCHÄTZE – Bergungen von Hagen Bonifer.

Rumpenheim ist Provinz mitten in der Stadt Offenbach mit deutlich über 100.000 Einwohnenden. Und die Provinz in der Stadt ist vielleicht gerade daher fähig, unbeleckt von gekünsteltem Intellektualismus eine gute, eine sehr gute Sache umzusetzen. Denn das gezeigte Kunstverständnis ist nicht ausschließend, sondern integrierend und lässt unterschiedliche Stile, Qualitäten und Formen zu. Was andernorts beliebig wirken könnte, wird in der angenehmen Atmosphäre der Rumpenheimer Kunsttage zur Vielfalt. Dass für die Jüngsten das JugendKunstschulMobil >Mit Kunst wachsen< da war, das zum freien Schaffen einlud und auch genutzt wurde, das macht die Sache dann vollständig rund.

Das Bild unten rechts zeigt übrigens ein äußerst kunstvoll gestaltetes WC, das mir Schwager Matthias als „Künstler-Clo“ vorstellte. Recht hat er. Und die Rumpenheimer zeigen, dass die Kunst nichts ist, auf das „wir scheißen“, sondern etwas, das sogar unsere Notdurft bereichern kann!

Herzschwester & Kapellmeister

Die persönliche Weiterentwicklung im Musikgeschmack; das (Über)Leben als Galeristin; Künstlerinnen und Künstler ganz allgemein und im besonderen Martina Pechtold, Thomas Lange, Mutsuo Hirano und andere; das Museum auf der Burg in Miltenberg und der erstrebenswerte Nebenjob als Museumsführer; Adam unterwegs in Wolle; die Vorzüge der Grünen Soße mit gekochten Eiern; die Frage, ob in Deutschland alle Führer werden wollen (ob Museums- oder Wander-Führer etc.) und was das denn heißt; die Situation von Kleinstädten um die zehntausend Einwohner, Joseph Beuys und das Hessische Landesmuseum in Darmstadt – dies und noch viel mehr waren Themen beim gestrigen Treffen zwischen mir und zwei sehr netten Menschen im „Riesen“ in Miltenberg. Denn nachdem Sarah (= Ida Lumpinzki = Herzschwester) und Achim (= Kapellmeister a.s.) die Bilder und Musikinstrumente für die heutige Vernissage ausgeladen hatten, gingen wir gemeinsam zum Abendessen mit Bierumtrunk (Schwarzviertler aus dem Brauhaus Faust). Ein Donnerstagabend wie er sein sollte.

Zum Foto oben: Der Versuch, das Bild „wie gemalt“ aussehen zu lassen, ist immerhin teilweise geglückt.

Kinder, Kunst und Paradies

geschrieben für FRANZ Nr. 31 – September/Oktober 2014 – Veranstaltungs- und Kultur-Info für Franziskushaus und Caritas (Kreis Miltenberg)

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu blei­ben.“ Pablo Picasso
„Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Josef Beuys

Ob Beuys Recht hat, das sei mal dahin gestellt. Zumindest sollte jeder Mensch Künstler sein dürfen, so er sich dazu ermächtigen möchte. Und ob heute jedes Kind noch Künstler sein darf, wie dies zu Picassos Zeiten angesichts von spanischem Bürgerkrieg, Weltkrieg, Faschismus und verbreiteter Armut wohl auch nicht wirklich war, das sei ebenfalls in Fra­ge gestellt, wenn wir Kulturindustrie, Massenbespaßung mittels TV und Internet, weltweit nor­miertes Konsum- und Friezeitverhalten betrachten. Es wäre aber ein schönes Ziel für alles Tun dieser Welt, dass Zustände herbei­zuführen seien, in denen Kinder immer Künstler sind und jeder Mensch die Kunst für sich entdecken kann, so er dies nur möchte. Mag sein, dass in anderen Zeiten solche erstre­benswerten Zustände als Utopia bezeichnet worden wären, andernorts als Kommunismus – oder als Paradies. In diesem Sinne: Als Kind, als Mann, als Frau sollte jeder Mensch ins Paradies der Kunst kommen dürfen. Jederzeit. Un­gehindert.

Mapec LIVE beim Konzert zur Ausstellung HERZSCHWESTER

Nach dem Konzert mit Vernissage:

Und wieder: Es war eine rauschende Ballnacht. Ganz liebevollen Dank an Anthrazit, die mit mir zusammen einen so wunderbar unperfekten und gerade daher völlig zufriedenstellenden Auftritt absolvierten; Dank an U.A. für den Beweis, dass Musik anders, ganz anders und wieder anders sein kann; Dank an Yohazid für ein supergeniales Gitarrengerotze auf feinstem Niveau, kaum erreichbar sonst; Dank an Anna-Lisa für die Video-Aufnahmen; Dank an das Galerieteam für ein vorletztes Zusammenwirken (Hannes, Hans, Irmi, Jana, Martina, Saskia, Valerie – wir werden nochmal gemeinsam unsere eigenen Werke ausstellen); Dank an Manfred und Christina, an WerneR, AndreaS und all die anderen, mit denen die guten Gespräche liefen. Ich bin jetzt aber platt. Glücklich, aber fertig. Nun denn.

Ein großes Bedauern an alle, die nicht dabei waren!

Medien-Info zum Konzert bei kommunal

Videoclip: Licht im goldenen Müllberg

Ein kompletter Clip aus der Video-CD Nacht, Licht und Feuer <-- kostenfreier Download

Videoclip: Handzeichen

Eine Kostprobe aus der kommenden Video-CD:

Kunst und Krieg, Zeppelin und Zerstörung

Begegnung heute im Zeppelinmuseum Friedrichshafen; denn dort gibt es nicht nur viel Technik und Technikgeschichte, sondern auch Kunst, in diesem Fall Zeichnungen von Otto Dix und anderen, die ihre Erlebnisse im Ersten Weltkrieg – an dem auch die Zeppelinfabrik am Bodensee nicht unwesentlich beteiligt war – nur durch ihre Kunst bearbeiten konnten, die nur so dem Nichtsagbaren einen Ausdruck geben konnten. DIE Mapec und unsere Begleitung – Jana und Christoph – sind beeindruckt. Es sei hiermit empfohlen, sich das anzusehen, was bis 11. Januar 2015 unter dem Titel „Kunst und Krieg“ da zu sehen ist.

„Das kann ich auch“

„Das könnte ich auch.“ Der das sagt ist M. – und ich stehe mit ihm sowie anderen netten Menschen in der Galerie am Bahnhof in Sippplingen am Bodensee. Wir betrachten Kunstwerke, die nicht gegenständlich sind.

M. ist weder dumm noch boshaft. Er sagt nur, was viele, viel zu viele in dieser Situation sagen würden. Wer sich abstrakter oder minimalistischer Kunst gegenüber sieht, der oder die meint meist, das auch zu können. „Die paar Striche“ oder „diese Farbkleckse“ – und so weiter. Und daher schreibe ich nun, was ich M. gesagt habe und was ich auch allen anderen sagen würde, die „das auch können“: „Wenn Du das kannst, dann mache es doch bitte auch. Ich habe es versucht. Und ich kann das nicht.“

Allerdings, ganz ehrlich, ich befürchte, dass alle diese Daskannichauch-Menschen es (also Kunstwerke zu schaffen) auch nicht können (leider).