Ecce Homo

Reiche sind emotional verarmt

In dem Buch, das ich gerade lese und in dem es um Beziehungen und ihre Bedeutung für gesellschaftliche Veränderungen geht, steht ein interessanter und zugleich aufschlussreicher aber auch fürchterlicher (weil zutreffender) Satz:

Verschiedene Experimente konnten nicht nur zeigen, dass Menschen umso weniger bereit sind, Hilfsbedürftige zu unterstützen, je reicher sie sind, schneller hupen und umso seltener an Zebrastreifen halten, je mehr ihre Autos kosten, sondern auch, dass sie mit zunehmendem Vermögen immer weniger in der Lage sind, die emotionalen Gesichtsausdrücke ihrer Mitmenschen zu lesen.

Bini Adamczak, Beziehungsweise Revolution, edition suhrkamp 2017, S. 254

Herbst

Heute den Feiertag in seiner Bedeutung genommen und auf den Friedhof gegangen. Geweint.

Und dann Yohazid gehört. Will ich euch nicht vorenthalten.

Nicht nur nachdrucken

In der linken Monatszeitschrift analyse & kritik (ak) Nr. 631 vom 17. Oktober 2017 erschien ein kleiner Leserbrief von mir, den ich ursprünglich gar nicht als Leserbrief gedacht hatte, der aber von der Redaktion offenbar als ein solcher angesehen und des Veröffentlichens für würdig gehalten wurde. Ich breche darin eine Lanze für die künstlerische Gestaltung einer Zeitschrift im Zeitungsformat:

Das Thema war diesmal für ak auch außergewöhnlich: Comics. Also Kunst. Gut! Warum aber muss eine Zeitschrift wie ak nur nachdrucken? Können nicht Künstlerinnen und Künstler gewonnen werden, die speziell für ak eine Seite gestalten wollen, immer die Tatsache berücksichtigend, dass es eine Monatszeitung ist, dass sie politisch links steht, dass sie Gesellschaft, Politik, Kultur, Bewegung … zum Inhalt hat. Also künstlerische Auseinandersetzungen, die speziell für das Medium ak entstehen, ob das nun Comics oder Collagen, Grafiken oder Malereien, Schrift-Bilder oder sonstwas sind.

Mapec

Feuer am Himmel

Gruß nach Frankfurt/Main – nein, nicht zur Eintracht (Gott bewahre! Ich bin für die Anderen!), sondern zu Yohazid, der mal wieder ein kleines Video mit Musik unterlegt hat. Und zwar so, dass jede Erwartungshaltung enttäuscht wird (bei Feuer am Himmel wären ja wohl – so die gängige Erwartung – wagnerianische Klänge oder Brachialpop von Rammstein nötig). Yohazid, das ist mal wieder sehr gut!

Wagnerianisch:

Brachialpop nach Art von Rammstein (nur vieeeeel besser):

Das besondere Museum

Gestern im Museum.Burg.Miltenberg mit Donna, Stéphanie und MALi. Zwei Stunden bester Austausch über die moderne Kunst in diesen ganz eigenen Kunsträumen, neue Ideen und Interpretationen zu einigen Bilder sowie die Erkenntnis: Das ist ein besonderes Museum, ein sehr eigenwilliges, ein hervorragend eingerichtetes, eines, das zum Wiederkommen reizt. Ich selbst war bisher 24mal in dieser Saison dort, in den letzten beiden Jahren jeweils rund 40mal. Ich empfehle es ausdrücklich! Also: Noch bis 1. November schnell mal hin, dann erst wieder ab 1. April 2018. Und: Besten Dank an die äußerst angenehmen und kunstinteressierten Begleiterinnen gestern!

Phallus Germanus


Foto: Screenshot von der Homepage zu Phallus Germanus

Ist schon gut, was da in Sachsen gemacht wurde: „In Leipzig wurden im Rahmen einer Aktion gegen Diskriminierung fünf ehemalige Industrie-Schornsteine zu Säulendiagrammen umgedeutet. Sie verbildlichen die Ergebnisse der Leipziger »Mitte«-Studie 2016 – eine Statistik zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland. Die besorgniserregenden Zahlen der Studie zeigen, wie verbreitet menschenfeindliche Weltbilder in der Bundesrepublik tatsächlich sind.“ Und das in Sachsen, wo die Hasskappen der AfD kürzlich bei der Bundestagswahl stärkste Partei wurden.

Schaut mal rein in das Kunst-Projekt Phallus Germanus.

O Käpten! Mein Käpten!

Ich lese gerade u.a. die Gedichtsammlung Grashalme von Walt Whitman in der letzten von ihm durchgesehenen Auflage, selbstverständlich in Deutsch (also in meiner Sprache; Whitman hätte das verstanden), daher nachgedichtet von Hans Reisiger und zudem versehen mit einem Essay von Gustav Landauer.

Bekannt wurde sein Abraham Lincoln zugedachtes Gedicht O Käpten! Mein Käpten! durch den Film Der Club der toten Dichter, in dessen Schlussszene (Video oben) es wieder angedeutet wird.

Whitmann brachte seine Bücher meist im Selbstverlag heraus. Nun denn, soweit bin ich auch schon.

Pillon und Zwolicki in Klingenberg

Nach längerer Zeit mal wieder ein Beitrag in der Rubrik Begegnungen. Das heißt aber nicht, dass ich inzwischen nicht auf den Spuren der kunstvollen Begegnungen gewandelt wäre. So war ich mit Martina kürzlich in der Galerie Jesuitenklirche in Aschaffenburg, um die Bilderflut des Johannes Heisig aufzunehmen.

Und nun am gestrigen Sonntag mit MALi in Klingenberg; hier begegneten wir nicht nur den Bildern von Jan Zwolicki im LÖW-Haus (in der Fotocollage die beiden Fotos unten), sondern auch Katrin Pillon und ihren Werken in der Galerie Milchlädchen (Fotos oben), wo sich ein kleines und sehr nettes Gespräch zwischen uns und der Künstlerin entspann.

Die kleine Strecke von Würzburg bis Aschaffenburg bietet immer wieder Möglichkeiten zu guten, ja sogar zu herausragenden Kunstbetrachtungen. Ein gesegneter Landstrich. Zumindest, was die Kunst betrifft.

Ansonsten aber ist alles unwichtig